iPad-City – Chinas Mega-Stadt, die keinen Slum kennt
Baku, den 13. Februar (AZERTAG). Chengdu gilt als am schnellsten wachsende Stadt der Welt, hier leben bereits mehr Menschen als in New York. Ihr Modell soll Schule machen.
Das Hotel Intercontinental in Chengdus südlicher Vorstadt „Century City“ bietet vom 29. Stockwerk beste Aussicht über den Lauf der Zeit; über das Gestern, das Heute und das Morgen der Zwölfmillionenstadt. Chengdu? Zwölf Millionen?
Wer kennt schon den Namen dieser Metropole im tiefen Hinterland Chinas, die Hauptstadt Sichuans immerhin? Eineinhalbmal so viele Menschen wie New York City. Wir werden bald häufiger von ihr hören, sie platzt aus allen Nähten - und kann damit gut leben. Vorerst jedenfalls.
Das Heute der Stadt zeigt sich im Norden. Moderne Wohnhochhäuser, ein Meer von Wolkenkratzern, meist auf Augenhöhe mit dem Hotel. Das Morgen dann nach Süden zu. Brach geschlagenes Land fast bis zum Horizont, alle paar Kilometer eine Gruppe von sechs, acht Wolkenkratzern im Rohbau, hier und da auch Designergebäude. Dazwischen die nackte Scholle, Bauland, schon mal von Autobahnkreuzen überzogen.
Und das Gestern? Da müssen wir genauer hinschauen, mit der Nase am Fenster. Unmittelbar unter dem Hotelturm finden wir es, im Hof sind dort ein paar Passagen entstanden, im Stil des alten China, mit gebogenen Ziegeldächern und roten Ballonlaternen. Neue Häuser allesamt, im Retro-Design. Richtig alte gibt es nicht in dieser Stadt, nirgends Gebäude, die älter sind als dreißig, vierzig Jahre. Nur immer wieder neue Wolkenkratzer. Getilgt sind die Spuren ihrer 3000-jährigen Geschichte. Das romantische Herz eines Mitteleuropäers mag leiden unter so viel Geschichts- und Gesichtslosigkeit.
Für Urbanisierungsexperten ist Sichuans Hauptstadt ein Modellfall. Chengdu, die schnellste, Chengdu, die größte. Joel Kotkin, der die „Forbes-Liste der künftig am schnellsten wachsenden Städte der Welt“ erstellte, hat Chengdu an die erste Stelle gesetzt. „Die wirtschaftsfreundliche Stadt hat das Zeug, zu Shanghai aufzuschließen“, schreibt er.