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Apple setzt seine Zukunft aufs Spiel

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Baku, den 24. April (AZERTAG). Apple hat zwar überraschend viele iPhones verkauft. Doch der Erfolg ist in Gefahr, da sich das Management zu sehr auf sein Smartphone verlässt. Dabei wäre ein Strategieschwenk gar nicht so schwer.

Apple hat in den ersten drei Monaten des Jahres deutlich mehr iPhones verkauft als erwartet. Fast 44 Millionen Smartphones konnte der Konzern losschlagen. Das ist aus mehreren Gründen erstaunlich.

Zum einen ist das erste Vierteljahr traditionell schwach bei Apple. Das Weihnachtsgeschäft ist gelaufen, und in diesem Jahr machen Gerüchte um das iPhone 6 – die nächste Generation des Apple-Smartphones – erstaunlich früh von sich reden. Das führt meist dazu, dass sich Käufer für die aktuellen Modelle zurückhalten.

Der Markt insgesamt wächst langsamer - Zum anderen wächst der Smartphone-Markt weltweit langsamer als zuvor. Nach den Zahlen der Marktforscher von IDC dürfte er in diesem Jahr nur noch um 20 Prozent zulegen, nach 60 Prozent im Vorjahr. Das stärkste Wachstum gibt es in jenen Ländern, in denen Menschen leben, die nicht in der Lage sind, 600 Euro und mehr für ein Mobiltelefon auszugeben.

Eigentlich dürften das keine guten Zeiten sein für Apple, zumal die Konkurrenten inzwischen mit Smartphones unterwegs sind, die sich mit dem iPhone messen lassen können.

Und trotzdem schafft es Apple, seine Verkaufszahlen zu steigern. Dass der nach Nutzerzahlen weltgrößte Mobilfunker China Mobile nun ebenfalls das iPhone verkauft, hat Apple geholfen. In China legte Apple um 13 Prozent zu. Nach den USA und Europa ist China inzwischen der größte Markt für Apple.

Konzern verkauft weniger iPads - Der Konzern macht mehr als die Hälfte seines Umsatzes mit seinen iPhones. Die iPad-Verkäufe gehen im Jahresvergleich zurück, und mit seinen Computern kann Apple kaum noch zulegen. Apples Schicksal hängt damit zunehmend am iPhone.

Genau das dürfte Apples größte Gefahr sein. Experten erwarten bei Smartphones keine großen Innovationssprünge mehr. Apple wird aller Voraussicht nach das Display seines iPhones größer machen, so wie es die Konkurrenten schon getan haben.

Aber reicht das auf Dauer? Eher nicht. Mit den jüngsten Zahlen, einer steigenden Dividende und dem ausgeweiteten Aktienrückkauf hat sich Apple-Chef Tim Cook zwar etwas Zeit gekauft und sogar den streitsüchtigen Hedgefonds-Manager Carl Icahn zu lobenden Worten hingerissen. Doch das hält erfahrungsgemäß nicht lange an.

Gute Voraussetzungen für einen Strategie-Schwenk - Apple muss sich künftig breiter aufstellen, um das Risiko zu streuen. Die Voraussetzungen dafür sind gar nicht schlecht. Der Konzern zählt fast 800 Millionen Kunden in seinem digitalen iTunes-Angebot, die meisten von ihnen haben ihre Kreditkartendaten dort hinterlegt.

Sollte Apple – wie jüngst immer häufiger spekuliert – ernsthaft in das Geschäft mit dem mobilen Bezahlen einsteigen, könnte der Konzern sogar aus dem Geschäft mit digitalen Gütern ausbrechen und bei jedem Offline-Kauf verdienen. Die Vorbereitungen dafür scheinen im Hintergrund bereits zu laufen.

Und dann ist Tim Cook noch den Beweis schuldig, dass er – wie sein Vorgänger Steve Jobs – in der Lage ist, revolutionäre Produkte wie den iPod, das iPhone und das iPad auf den Markt zu bringen. Nach eigenen Angaben arbeitet Apple bereits an „neuen Kategorien“.

„Apple wird sich Zeit nehmen, es richtig zu machen“, sagt Cook. Apples Ziel sei es nicht, Erster zu sein, sondern der Beste. Das sind große Versprechungen. Schon bald drängt die Zeit, sie auch zu erfüllen.

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