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Aufmerksamkeitsstudien an Tieren

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Baku, den 5. August (AZERTAG). Pferde haben dem Menschen zwei Dinge voraus: lange, bewegliche Ohren. Die nutzen sie offenbar nicht nur zum Lauschen, sondern auch, um die Aufmerksamkeit von Artgenossen zu lenken. Unterhalten sich Menschen über einen Gegenstand in unmittelbarer Nähe, nutzen sie nicht nur Worte. Auch der Blick verrät dem Gesprächspartner, worum es geht. Das Gesicht ist in die entsprechende Richtung gedreht; wir nutzen sogar die gesamte Körperhaltung, um zu unterstreichen, um welches Objekt es uns geht. Eines aber benutzen wir dafür nicht: unsere Ohren.

Ganz anders Pferde, wie die beiden Psychologinnen Karen McComb und Jennifer Wathan von der englischen University of Sussex in der Zeitschrift „Current Biology“ berichten. „Unsere Studie untersucht erstmals einen möglichen Aufmerksamkeitsanzeiger, den wir Menschen gar nicht haben: die Ohren“, erläutert Wathan in einer Presseerklärung. „Vorherige Aufmerksamkeitsstudien an Tieren konzentrierten sich immer auf die Anzeiger, die wir selber benutzen: Körperhaltung, Kopfhaltung und Blicke; niemand hat mal darüber hinaus geschaut.“

In der Pferdekommunikation aber spielten die Lauscher eine große Rolle. „Pferde müssen sowohl Augen als auch Ohren eines Artgenossen sehen, um die Richtung deuten zu können“, so Wathan. Tiere, die wie Pferde ihre Augen an der Seite des Kopfes haben, könnten gar keine Rückschlüsse aus der Blickrichtung ihrer Artgenossen ziehen, hieß es bislang. Doch auch das konnten die beiden Psychologinnen nach eigenen Angaben widerlegen.

Um die Aufmerksamkeit der Tiere zu testen, nutzen sie etwas, für das jedes Pferd sich interessiert: Eimer mit Futter. Zwei davon standen zur Auswahl. Dazu zeigten die Forscherinnen den hungrigen Vierbeinern lebensgroße Fotos von Artgenossen, die Augen und Ohren auf einen der beiden Eimer gerichtet hatten. In etwa 75 Prozent der Fälle wählten die Pferde den Eimer, für den sich auch das abgebildete Tier zu interessieren schien.

Verdeckten die Forscherinnen jedoch auf dem Bild entweder die Augen oder die Ohren des Gegenübers, hielt sich die Wahl zwischen den beiden Eimern in etwa das Gleichgewicht - das Pferd wählte nach dem Zufallsprinzip. Die Ohren schienen für die Entscheidung noch wichtiger zu sein als die Augen. Außerdem verbrachten die Pferde, wenn Teile des Kopfes verdeckt waren, weniger Zeit mit dem Betrachten des Artgenossen, bevor sie sich über den Eimerinhalt hermachten.

Allerdings messen Pferde offenbar nicht allen Artgenossen die gleiche Bedeutung zu. Die Forscherinnen zeigten den Tieren Bilder zweier unterschiedlicher Pferde - und eines der beiden beeinflusste die Wahl des Futtereimers stärker als das andere.

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