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Blutgasuntersuchung bringt die Mediziner auf die richtige Spur

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Baku, 14. Oktober, AZERTAC

Eine stillende Mutter leidet unter Herzrasen und Muskelkrämpfen. Drogen oder Medikamente hat sie keine genommen. Erst eine Blutgasuntersuchung bringt die Mediziner auf die richtige Spur.

Übelkeit, Erbrechen, Herzrasen, Zittern und Muskelkrämpfe zwingen eine junge Frau in das schwedische Helsingborg Lasarett. Die 32-Jährige gibt an, keinen Alkohol getrunken zu haben und auch keine anderen Drogen zu nehmen. Sie hat eine Schilddrüsenunterfunktion, nimmt aber keine Medikamente, außer gelegentlich etwas Paracetamol bei Schmerzen.

Die Untersuchung ergibt nichts Besonderes: Sie atmet ruhig, ihre Sauerstoffsättigung im Blut ist normal, sie hat kein Fieber, Herzschlag und Blutdruck sind unauffällig. Herz, Lunge und Bauch geben keine Hinweise auf die Ursache der Beschwerden.

Allerdings stillt die Patientin ihren zehn Monate alten Sohn. Und sie hat vor wenigen Tagen eine strenge Diät begonnen. Sie folgt einer so genannten Low-Carb-Diät, also einer kohlenhydratarmen, aber fettreichen Ernährung. Seit sie sich in den letzten zehn Tagen auf weniger als 20 Gramm Kohlenhydrate täglich beschränkt, hat sie vier Kilogramm abgenommen - und fühlt sich von Tag zu Tag schlechter.

Die Ärzte um Louise von Geijer und Magnus Ekelund haben einen Verdacht, wie sie im „Journal of Medical Case Reports“ berichten. Deshalb untersuchen sie das Blut in einer Blutgasanalyse. Dabei stellen sie fest, dass das Blut der Frau zu sauer ist, andere Werte deuten darauf hin, dass der Körper versucht, die Störung zu beheben. Um ihren Verdacht zu bestätigen, untersuchen die Mediziner das Blut auf Ketonkörper, organische Verbindungen, die der Körper in Notsituationen bildet. Das Ergebnis: Der Wert ist deutlich zu hoch.

Körper in Not - Das Gehirn und die Muskulatur benötigen zum Funktionieren Glucose, den Blutzucker, allein das Gehirn ist normalerweise auf 120 Gramm Blutzucker am Tag angewiesen. Bei Nahrungsmangel ist der Körper in der Lage, aus Fetten Energie zu gewinnen, wozu ein niedriger Insulinspiegel bei Hunger beiträgt. Dazu werden die Fette abgebaut, wobei Ketonkörper entstehen - und die können den in engen Grenzen gehaltenen pH-Wert des Blutes entgleisen lassen. Das Phänomen ist eigentlich von Typ-1-Diabetikern bekannt, denen Insulin weitgehend oder vollständig fehlt.

Sicherheitshalber untersuchen die Ärzte das Blut noch auf eine Reihe von Medikamenten wie Paracetamol, ASS und auch Alkohol - doch wie von der Patientin angegeben, hat sie nichts davon genommen. Die Frau bekommt eine Vitamin-B-Spritze und über zwei Tage eine Glucoseinfusion, zusätzlich etwas Insulin, um die Aufnahme des Blutzuckers in die Zellen zu ermöglichen.

Tatsächlich geht es der Patientin bereits am nächsten Tag besser, ihre Übersäuerung im Blut ist verschwunden. Schon am dritten Tag kann sie nach Hause entlassen werden.

Strapazierter Stoffwechsel - Tests auf einen Typ-2-Diabetes bleiben ebenso negativ wie die Untersuchung der Nierenfunktion und der Schilddrüse. Die Ärzte gehen davon aus, dass die Frau tatsächlich durch die Kombination aus der Diät und dem gleichzeitigen Stillen eine Ketoazidose - wie Fachleute diesen Zustand bezeichnen - ausgelöst hat.

Der Stoffwechsel der Frau ist während des Stillens natürlich höheren Anforderungen als normalerweise ausgesetzt - schließlich muss Muttermilch für den Säugling produziert werden. Üblicherweise essen Frauen in dieser Phase normal oder sogar mehr als sonst. Wenn dem Körper in dieser Phase aber der Kraftstoff ausgeht, dann ist die Reserve offenbar rasch aufgebraucht und er muss die Fettreserven angreifen. Das Phänomen, so schreiben die schwedischen Ärzte, ist übrigens aus der Tiermedizin wohlbekannt. Bei stillenden Kühen ist die Übersäuerung ein häufiges Problem.

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