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Charakter entscheidet über den Arbeitsplatz

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Baku, den 18. Juni (AZERTAG). Wächter oder Babysitter? Bei einer bestimmten Spinnenart entscheidet der Charakter, wer welche Aufgaben im Team hat. Anders als beispielsweise Bienen lassen sie sich nicht äußerlich unterscheiden.

Aggressiven Weibchen den Nachwuchs überlassen? Das ist nach Angaben von Wissenschaftlern bei bestimmten Spinnen keine gute Idee – dafür trumpften diese beim Netzbau auf. Je nach ihrer Persönlichkeit machen sich die sozialen Spinnen in ihrer Kolonie als Wächter oder Babysitter nützlich.

Aggressive Exemplare von Anelosimus studiosus verteidigen die Gruppe und fangen Beute, brave Artgenossen kümmern sich um die Brut, berichten Forscher in den „Proceedings“ der Nationalen Akademie der Wissenschaften der USA.

Arbeitsteilung gibt es bei vielen sozialen Tierarten, etwa den staatenbildenden Insekten. Individuen, die für unterschiedliche Aufgaben zuständig sind, lassen sich häufig schon rein äußerlich unterscheiden. So sehen zum Beispiel die Arbeiterinnen bei den Honigbienen anders aus als die Königin oder die Drohnen.

Die Forscher um Colin Wright von der University of Pittsburgh im US-Staat Pennsylvania wollten nun herausfinden, ob es bei körperlich identischen Individuen in sozialen Gemeinschaften eine Arbeitsteilung gibt, die sich nach der Persönlichkeit beziehungsweise den Fähigkeiten einzelner Tiere richtet.

Die Forscher nahmen sich dazu die in Nord- und Südamerika heimische soziale Spinnenart Anelosimus studiosus vor. Sie setzten im Labor jeweils zwei aggressive und zwei gutmütigere Weibchen zusammen und beobachteten, wie diese die anfallenden Arbeiten – Beutefang, Netzbau, Brutpflege und Verteidigung – organisierten.

Aggressive Weibchen wehren Feinde ab - Es zeigte sich, dass die aggressiven Weibchen hauptsächlich Beute fingen, das Netz bauten und Feinde abwehrten. Sie konnten dies auch viel besser als die zahmeren Weibchen. Sie fingen zum Beispiel deutlich mehr Beute und bauten bessere Netze.

Die zahmeren Weibchen wiederum, die sich hauptsächlich der Brutpflege widmeten, schnitten bei dieser Aufgabe besonders gut ab. Wenn sie eine große Brut versorgen mussten, überlebten doppelt so viele Nachkommen, als wenn die aggressiven Weibchen diese Aufgabe übernahmen.

Ihre Untersuchung zeige, dass die Persönlichkeit der Spinnen eine bedeutende Rolle bei der Organisation der Gesellschaft spiele, schreiben die Forscher. Die Spinnen führten verschiedene Aufgaben entsprechend ihrer Begabung aus.

Es sei allerdings unklar, ob die verschiedenen Persönlichkeiten von vornherein besonders gut für ihre Aufgaben gerüstet seien oder ob sie im Laufe der Zeit ihre Fähigkeiten immer weiter verbesserten. Schon früher waren Studien zu dem besonderen sozialen Verhalten dieser Spinnenart veröffentlicht worden.

Unterschiedliche Persönlichkeiten seien in nahezu allen Tiergemeinschaften beobachtet worden, schreiben die Forscher. Inwieweit verschiedene Charaktertypen analog zu morphologisch unterscheidbaren Individuen die Struktur sozialer Gesellschaften organisieren, müsse verstärkt untersucht werden.

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