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China und Taiwan sprechen erstmals seit 65 Jahren

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Baku, den 11. Februar (AZERTAG). Erstmals seit Ende des chinesischen Bürgerkriegs 1949 haben China und Taiwan Gespräche auf Regierungsebene geführt. Der Verantwortliche für die China-Politik in Taipeh, Wang Yu Chi, traf zum Beginn eines viertägigen Besuchs in Nanjing seinen chinesischen Kollegen Zhang Zhijun. Dieser äußerte nach dem symbolträchtigen Treffen die Hoffnung auf eine weitere Annäherung der beiden lange verfeindeten Staaten.

„Der Besuch ist nicht leicht, er ist das Ergebnis von mehrjährigen Kontakten zwischen den beiden Seiten“, sagte Wang. Bei dem historischen Gespräch war der Raum neutral dekoriert, ohne Landesflaggen und mit Namensschildern ohne offizielle Titel. Eine offizielle Agenda gab es nicht. "Das Hauptziel des Besuchs ist es, das gegenseitige Verständnis zu befördern“, sagte Wang. Laut einer Erklärung aus Taipeh lud Wang seinen Kollegen nach Taiwan ein.

Zhang sagte nach dem Treffen, beide Seiten sollten sich dafür einsetzen, nie wieder Rückschritte bei den Beziehungen zuzulassen. „Ich bin überzeugt, dass wir uns weiter annähern können, solange wir auf der richtigen Straße der friedlichen Entwicklung voranschreiten“, sagte Zhang. Die beiden Staaten unterhalten seit 1949 keine offiziellen Beziehungen, haben aber in den letzten Jahren ihre Wirtschafts- und Handelsbeziehungen deutlich ausgebaut.

Nanjing war die Hauptstadt Chinas, als das Land in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von der nationalistischen Kuomintang-Partei regiert wurde. Nach einem Bürgerkrieg mit Millionen Toten vertrieben die Kommunisten unter Führung Mao Zedongs 1949 die Kuomintang von der Macht. Zwei Millionen Anhänger des Nationalistenführers Chiang Kai-shek flohen daraufhin auf die Insel Taiwan, die der chinesischen Festlandküste vorgelagert ist.

Die Volksrepublik China und Taiwan, das sich offiziell Republik China nennt, werden seitdem getrennt regiert, beanspruchen aber beide, die wahre Regierung Chinas zu sein. Zwar unterhält Taiwan gute wirtschaftliche Beziehungen mit zahlreichen Staaten, doch verlor es 1971 den chinesischen UN-Sitz an Peking und wird von immer weniger Ländern politisch anerkannt. Die beiden Länder etablierten erst in den 1990er Jahren wieder halboffizielle Beziehungen.

Die kommunistische Regierung in Peking strebt noch immer nach dem Wiederanschluss Taiwans, das sie als abtrünniges Gebiet betrachtet. Die in Taiwan regierende Kuomintang-Partei lehnt es ab, nach der Unabhängigkeit zu streben. Präsident Ma Ying Jeou hat sich seit seinem Amtsantritt 2008 für eine Annäherung an den großen Nachbarn eingesetzt und versucht, den wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Austausch zu verstärken.

Im Juni 2010 unterzeichneten China und Taiwan ein weitreichendes Wirtschaftsabkommen, doch vermieden beide Seiten bisher direkte Gespräche. Die halboffiziellen Organisationen, die bislang die Gespräche führten, haben nicht die Autorität, tiefergreifende politische Fragen anzugehen. Experten betonen, dass insbesondere die kritische Frage, wer der legitime Vertreter der chinesischen Nation ist, nur in direkten Regierungsgesprächen geklärt werden könne.

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