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Chinas Vormachtstellung

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Baku, den 13. März (AZERTAG). Es ist eine unangenehme Abhängigkeit - und sie hat Bestand. China produziert fast im Alleingang die begehrten Seltenen Erden für die Industrien der Welt. Eine neue Studie zeigt, dass sich daran auch nur langsam etwas ändert.

Gut einen Kilometer Tief sind die Löcher, die sich im staubigen Boden der Inneren Mongolei auftun. Die Mine von Bayan-Obo-Mine ist die weltweite wichtigste Förderstätte für Seltene Erden. Lagerstätten wie diese haben dafür gesorgt, dass China der mit großem Abstand wichtigste Produzent für die begehrten Rohstoffe ist, die unter anderem für Elektroautos, Windkraftanlagen und Energiesparlampen wichtig sind. Problematisch wird das spätestens dann, wenn China die Produktion drosselt oder den Export beschränkt. Dazu kommen stellenweise problematische Umweltbedingungen beim Abbau.

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat nun aktuelle Zahlen zum Weltmarkt der Seltenen Erden veröffentlicht. Sie belegen, dass der Anteil an der globalen Produktion der Hightech-Rohstoffe nur langsam sinkt. Im Jahr 2010 lag der Anteil der Chinesen bei der Produktion von Seltenen Erdoxiden bei 97,6 Prozent - und im vergangenen Jahr waren es noch immer 92,1 Prozent.

Die Konkurrenz kommt nämlich weiterhin nicht aus den Startlöchern. Die USA hatten vergangenes Jahr einen Produktionsanteil von 4,3 Prozent, Russland von 2,3 Prozent und Malaysia von 1,3 Prozent. Dabei wollten Chinas Konkurrenten ihre Produktion eigentlich viel schneller ausbauen - um sich aus der Abhängigkeit von der Volksrepublik so weit wie möglich zu befreien.

So war Ende 2010 im US-Bundesstaat Kalifornien die Förderung im Bergwerk Mountain Pass nach achtjährigem Stopp wieder gestartet worden. Betreiber ist die Firma Molycorp. Außerdem fördert die Firma Lynas im westaustralischem Bergwerk Mount Weld Seltene Erden, die seit Anfang 2013 in Malaysia aufbereitet werden. Aus Sicht der BGR kommen aber beide Betreiber nur langsam in Produktion. Die geplanten Jahresproduktionen (19.050 Tonnen Seltene Erdoxide in Mountain Pass und 11.000 Tonnen in Malaysia) seien noch lange nicht erreicht.

Industrien finden Alternativen - Weltweit wurden im vergangenen Jahr 90.500 Tonnen an Seltenen Erdoxiden produziert. Das ist rund ein Drittel weniger als im Rekordjahr 2009 (knapp 133.500 Tonnen). Schuld daran sind massiv gesunkene Preise. Ein Grund dafür ist auch, dass Industrien einen Weg gefunden haben, sich von der Abhängigkeit von Seltenen Erden zu befreien - und andere Stoffe einzusetzen. Angedachte Rohstoffprojekte zur Förderung von Seltenen Erden, wie etwa in Grönland, haben es daher schwer. Gleiches gilt für das einzige nennenswerte Vorkommen in Deutschland, das im Nordwesten von Sachsen liegt.

Geologen kennen weltweit rund 440 Seltene-Erden-Vorkommen. „Die gegenwärtig bekannten Reserven von Seltenen Erden reichen bei derzeitiger Produktion für 285 Jahre, die Ressourcen sogar für fast 3.400 Jahre“, so BGR-Forscher Harald Elsner. Und doch gibt es ein Problem: Denn Seltene Erden sind nicht gleich Seltene Erden.

Fachleute unterteilen die Elemente in zwei Gruppen: Neben den leichten Seltenen Erden (Cer, Lanthan, Praseodym, Neodym) gibt es noch die schweren Seltenen Erden (u. a. Dysprosium, Terbium, Europium). Und nur bei der ersten Gruppe sieht die BGR die Versorgungslage unkritisch. In Bergwerken wie Mountain Pass, Mount Weld oder der russischen Lagerstätte Lovozero auf der Kola-Halbinsel gibt es nämlich kaum schwere Seltene Erden. Das heißt, dass Chinas Vormachtstellung hier besonders groß ist.

 

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