WIRTSCHAFT


Chinesische Zentralbank beschwichtigt panische Sparer

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Baku, den 27. März (AZERTAG). Die Banken-Panik in Ostchina weitet sich aus, den dritten Tag in Folge leeren Sparer in der Provinz Jiangsu ihre Konten. Filialen versuchen vergeblich, ihre Kunden zu beruhigen - mit demonstrativ zur Schau gestellten Geldstapeln. Nun schaltet sich die Zentralbank ein.

Die Gerüchte um die angebliche Insolvenz einer kleinen Bank in Ostchina entfalten eine immer verheerendere Wirkung. Seit drei Tagen bilden sich lange Schlangen vor den Filialen in der Provinz Jiangsu, der Banken-Run hat sich auch auf ein zweites Institut ausgeweitet. Ein Behördensprecher mahnte die Bankkunden in der Stadt Yancheng am Mittwoch zur Ruhe. Auch die chinesische Regierung hat wegen des wachsenden Ansturms auf die Banken jetzt Maßnahmen ergriffen, um die Sparer zu beschwichtigen. Doch bislang haben die Bemühungen ihr Ziel verfehlt, vor den Bankfilialen bilden sich weiter große Menschenaufläufe.

In einem Video auf der Website der Regionalregierung versicherte der Gouverneur des Verwaltungsbezirks Sheyang den Menschen, ihr Geld sei sicher. Die chinesische Zentralbank werde die Sparer schützen, sagte der Gouverneur.

„Die Kunden sollten nicht auf die Gerüchte hören“ - Auch die Jiangsu Sheyang Rural Commercial Bank bemühte sich, ihre Kunden zu besänftigen. Die Filialen stellten demonstrativ große Geldstapel zur Schau, um die Sorgen der Sparer zu zerstreuen. Die Mitarbeiter verteilten Handzettel mit einer beschwichtigenden Mitteilung der chinesischen Zentralbank. Auf Anzeigetafeln kündigte die Bank an, ihre Zweigstellen rund um die Uhr geöffnet zu halten.

Am Eingang der Gebäude lief dem Zeitungsbericht zufolge eine Bandansage in der Endlosschleife: „Die Einlagen der Sparer sind gesetzlich geschützt. Es gibt keine Situation, in der wir die Nachfrage nach Bargeld nicht decken können. Die Kunden sollten nicht auf die Gerüchte hören und keine unnötige Panik verbreiten.“ Die örtliche Polizei kündigte an, der Quelle der Gerüchte auf den Grund gehen zu wollen.

Die Furcht der Sparer gründet offenbar auf eine Reihe von Ereignissen früher in diesem Jahr: Mehrere Kreditgenossenschaften und Anleihegesellschaften im Bezirk Sheyang waren von einem Tag auf den anderen geschlossen worden. Lokalen Medienberichten zufolge waren die Chefs dieser Institutionen geflohen, nachdem sie Investment-Verluste aufgehäuft hatten.

Der Vorsitzende der Jiangsu Sheyang Rural Commercial Bank führte die aktuellen Ängste auf diese Vorfälle zurück, schreibt die „FT“: „Die gewöhnlichen Menschen hier sind von den Kreditgesellschaften betrogen worden. Wenn sie dann hören, dass die Banken ebenfalls Probleme haben könnten, kommen sie sofort, um ihr Bargeld abzuheben“, sagte er dem staatlichen Radiosender.

Die Panik wirft ein Schlaglicht auf die Nervosität vieler Sparer in der Volksrepublik China, da es dort bislang keine staatliche Einlagensicherung gibt. Die chinesische Bankenaufsicht hat eine rasche Einführung in Aussicht gestellt, ohne jedoch ein konkretes Datum zu nennen. Bis dahin sind die Einlagen der Sparer nur durch implizite Garantien der Regierung abgesichert.

 

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