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Eine Ultraschalluntersuchung führt zum Ergebnis

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Baku, 11. August, AZERTAC

Seit Wochen plagen die junge Kanadierin Schmerzen in der Schulter. Dann schwillt ihr linker Arm an, Unterarm und kleiner Finger sind taub. Was verursacht die Beschwerden?

Eine 32-jährige Kanadierin hat Schmerzen in der linken Schulter. Der erste Arzt, zu dem sie geht, tippt auf eine Entzündung der Knochenenden, die er mit einem entzündungshemmenden Schmerzmittel behandelt. Doch die Beschwerden bleiben über mehrere Wochen bestehen.

Schließlich sucht die Patientin die hausärztliche Sprechstunde der University of Calgary auf. Neben den Schmerzen fühlen sich ihr linker Unterarm und ihr kleiner Finger taub an. Bei einer ersten Untersuchung werden die Beschwerden schlimmer, wenn sie versucht, den Arm gegen einen Widerstand gerade durchzustrecken.

Am Morgen nach dem ersten Besuch in der Ambulanz stellt die Frau fest, dass ihr linker Arm angeschwollen ist und blass wirkt. Sie geht erneut in die Sprechstunde. Die Ärztinnen Monica Kidd und Vina Broderick untersuchen die Arme im Vergleich, wie sie im „Journal of Medical Case Reports“ berichten. Beide Arme sind warm, der Puls lässt sich am Handgelenk tasten, drückt man das Blut kurz aus den kleinsten Gefäßen unter den Fingernägeln, füllen diese sich sofort - die Versorgung mit Blut ist nicht das Problem.

Die Patientin kann ihre Schultern, Ellenbogen und Handgelenke normal bewegen, die Reflexe lassen sich ebenso normal auslösen. Doch nach wie vor fühlen sich der linke Unterarm und Teile der linken Hand taub an. Alles andere an der Untersuchung ist unauffällig: Blutdruck und Temperatur, Herztöne und das Atemgeräusch.

In der Vorgeschichte der jungen Frau gibt es ebenfalls keine Besonderheiten. Sie ist Nichtraucherin und hat in den vergangenen drei Jahren insgesamt - gewollt - 40 Kilogramm abgenommen, sie treibt regelmäßig Sport. Es gibt keine Hinweise auf eine Krebserkrankung. Bestimmte Tumoren der Lunge können ähnliche Beschwerden wie bei der Kanadierin hervorrufen, wenn der Tumor zum Beispiel den Zufluss oder Abfluss des Bluts in einen Arm behindert oder auf Nerven drückt. Das einzige Medikament, das die Frau regelmäßig einnimmt, ist die Antibabypille.

Die Ärztinnen vermuten, dass irgendetwas den Blutfluss aus dem linken Arm zurück zum Herzen behindert. Das würde die Schwellung und die Taubheit erklären. Zunächst schicken sie die Patientin zum Röntgen, doch die Bilder von Brustkorb, Schulter und Ellenbogen ergeben nichts Auffälliges. Das bedeutet allerdings nur, dass die vermutete Blockade Röntgenstrahlen passieren lässt.

Eine Ultraschalluntersuchung führt zum Ergebnis - In der linken Schlüsselbeinvene (Vena subclavia) finden die Ärztinnen eine Thrombose, also ein Blutgerinnsel, das die Vene verengt. Weil die Pille solche Thrombosen begünstigen kann, setzen die Medizinerinnen das Präparat ab und schicken ihre Patientin zu Spezialisten für Blut und Gefäße.

Von den Experten wollen sie zunächst wissen, ob ihre Patientin genetische Veränderungen in sich trägt, die Thrombosen wahrscheinlicher machen. So genannte Thrombophilien können vererbt werden. Doch das ist hier nicht der Fall. Um die Thrombose zu behandeln, bekommt die Frau gerinnungshemmende Medikamente, die sowohl die bestehende Thrombose abbauen als auch erneute verhindern sollen. Zusätzlich bekommt sie einen komprimierenden Handschuh, der hilft, den Blutstau in den Venen zu verhindern.

Die Patientin wird anschließend in einem Computertomografen (CT) untersucht. Dabei bekommt sie Kontrastmittel in die Gefäße gespritzt, sodass auf den Bildern genau zu erkennen ist, wo ein Gefäß blockiert ist. Die Ärzte sehen, dass auch auf der rechten, beschwerdefreien, Seite die Schlüsselbeinvene blockiert ist. Die linke Seite dagegen können sie gar nicht darstellen. Die Frau wird weitergeschickt zu den Gefäßchirurgen.

Soll sie sich operieren lassen? - Nach weiteren Untersuchungen empfehlen die Chirurgen der Frau, sich die Rippen in direkter Nachbarschaft zu den Schlüsselbeinvenen entfernen zu lassen, um den Blutfluss in den Gefäßen zu verbessern. Zu dem Zeitpunkt, als die kanadischen Ärztinnen ihren Fallbericht schreiben, überlegt die Patientin noch, ob sie sich der Operation unterziehen soll. Studien legen nahe, dass sie auch ohne OP eine ähnlich hohe Lebensqualität und ein ähnlich niedriges Rückfallrisiko haben könnte wie mit einem Eingriff.

So harmlos die Symptome der Patientin erscheinen mögen, die Ursachensuche war in jedem Fall entscheidend: Löst sich aus dem Thrombus in der Vene ein Stück und gelangt mit dem Blutstrom durch das Herz in die Lunge, ist eine potenziell lebensbedrohliche Lungenembolie die Folge.

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