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Einige Ameisenarten haben eine Vorliebe für Fast Food

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Baku, 4. April, AZERTAC

Warum überleben die Insekten so gut auf Bürgersteigen und in Gebäuden? Forscher haben Ameisen aus New York untersucht – und festgestellt, dass einige Arten sich mit Vorliebe von Imbissresten ernähren.

Alles, was ordentlich Süßstoffe enthält, scheint den Insekten zu schmecken. Klebrige Limonadenreste, Hamburgerbrötchen, Saucen vermutlich. Die Forscher können nicht sagen, auf welches dieser Lebensmittel es die Tiere besonders abgesehen haben. Was sie sagen können, ist: Einige Ameisen stehen auf Fast Food.

Eine Untersuchung aus New York zeigt, dass manche Arten in Manhattan eine Vorliebe für jene Lebensmittel haben, die auch der Mensch isst. Andere Spezies verschmähen dagegen diese reichlich vorhandene Kost, berichten die Forscher der North Carolina State University in Raleigh in den „Proceedings B“ der britischen Royal Society.

„Wir wollten mehr darüber erfahren, warum manche Ameisenarten neben uns auf Bürgersteigen oder in Gebäuden leben können, während andere außerhalb der menschlichen Gegenden bleiben“, wird Clint Penick in einer Mitteilung seines Instituts zitiert. Demnach wirft ein Stadtbewohner pro Jahr etwa eine halbe Tonne Müll weg, davon 75 Kilo Lebensmittel.

Um Aufschluss über die Ernährung von Stadtameisen zu bekommen, nahmen die Forscher in Manhattan mehr als 100 Proben von 21 Ameisenarten – in Parks, auf Bürgersteigen und auf Verkehrsinseln.

Diese Proben analysierten sie dann auf Isotope von Kohlenstoff und Stickstoff, die Aufschluss über die Nahrung geben. Kohlenstoff-13 (C13) kommt in Mais und Zuckerrohr vor, die als Süßstoffe in Lebensmitteln verarbeitet werden. Daher werteten die Wissenschaftler dieses Isotop als Hinweis auf Hamburger und andere verarbeitete Nahrungsmittel und Getränke.

Am spannendsten waren die Ergebnisse für die Gemeine Rasenameise (Tetramorium caespitum bzw. Tetramorium sp E), die alle drei untersuchten Lebensräume besiedelt. Die höchsten C13-Werte fanden die Forscher in jenen Rasenameisen, die auf Bürgersteigen leben, die geringsten dagegen in den Parkbewohnern. Generell enthielten jene Ameisenarten, die auf Verkehrsinseln leben, mehr C-13 als die Spezies in den Parks.

„Lebensmittel für Menschen haben beträchtlichen Anteil an der Nahrung von in Städten lebenden Arten“, sagt Penick. „Diese Ameisen vertilgen unseren Abfall, und das kann erklären, warum Ameisen auf Bürgersteigen in unseren Städten so große Populationen bilden.“ Ob die Süßstoffe ähnlich wie beim Menschen auch die Gesundheit der Tiere schädigen können, ist offen.

Insekten vertilgen Abfall besser als Ratten – Aber die Forscher fanden auch Ausnahmen. Die aus Eurasien stammende Rotrückige Hausameise (Lasius emarginatus), die die Stadt erst seit einigen Jahren besiedelt, lebt zwar auch auf Verkehrsinseln und Bürgersteigen, verschmäht aber der Analyse zufolge die Kost des Menschen. Sie findet ihre Nahrung demnach wohl in den Bäumen, die die Straßen säumen.

Erst im Dezember hatten Forscher derselben Universität berichtet, dass Insekten und andere Krabbler in New York eine wichtige Rolle als Straßenreiniger spielen. Demnach schaffen sie allein auf den Mittelstreifen von Broadway und West Street Essensreste im Umfang von jährlich etwa 60.000 Hotdogs weg.

Diese Form der Abfallbeseitigung habe einen positiven Nebeneffekt, schrieben die Forscher damals: Je mehr Essensreste die Tiere vertilgen, desto weniger bleibe für Ratten und Tauben. Sie dienen somit auch als Schädlingsbekämpfer.

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