GESELLSCHAFT


Ende der bislang schwersten Ebola-Epidemie ist nicht abzusehen

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Baku, den 2. September (AZERTAG). Auch fünf Monate nach dem offiziellen Ausbruch der Seuche ist Ebola nicht in den Griff zu kriegen. Der Senegal hat als fünftes Land Westafrikas einen Ebola-Fall gemeldet.

Insgesamt gab es seit Beginn der Epidemie damit mehr als 3000 Infizierte und 1569 Tote. Nach Berechnungen einer Gruppe von Harvard-Forschern verdoppelt sich die Zahl der Ebola-Kranken derzeit alle 35 Tage. Wenn es so weitergeht, wird die Zahl der Toten bis zum Jahresende also die 12 000 übertreffen.

Es trifft daher den Nerv der Lage, wenn Forscher in einer Sonderveröffentlichung des Magazins Nature jetzt von einem großen Erfolg im Kampf gegen die Krankheit berichten: Der experimentelle Antikörpermix ZMapp soll in einem Versuch an ebolakranken Affen sensationelle Therapieerfolge erzielt haben. Alle 18 infizierten Tiere, die am dritten, vierten oder fünften Tag nach der Infektion mit dem Cocktail aus drei spezifischen Abwehr-Eiweißen behandelt wurden, überlebten die Erkrankung - obwohl sie schon deutliche Symptome hatten. Nach vier Wochen waren sie völlig gesund. Drei Kontrollaffen, die das Medikament nicht bekommen hatten, starben vier bis acht Tage nach der Ansteckung.

Es gibt bislang keine klinischen Studien, die das Mittel systematisch an Menschen geprüft haben. Es sei aber gut dokumentiert, dass der Einsatz von spezifischen Antikörpern wie jenen in ZMapp für Menschen sicher ist, schreiben die Forscher um den Kanadier Gary Kobinger in ihrem Resümee. Die Bindung dieser Antikörper an das derzeit grassierende Ebolavirus in Westafrika, kurz EBOV-G genannt, sei im Reagenzglas genauso stark wie an das in den Affen verwendete Ebolavirus, EBOV-K. Es stammt von dem Ebola-Ausbruch im kongolesischen Kikwit vor knapp 20 Jahren.

Die Wissenschaftler verweisen auch auf zwei ebola-infizierte Amerikaner, die das experimentelle ZMapp vor wenigen Wochen im Rahmen des „compassionate use“ erhalten hatten und inzwischen wieder gesund sind. Ihre Studie lege mithin nahe, dass ZMapp "die beste Option unter den experimentellen Wirkstoffen" darstelle, die derzeit für den Kampf gegen die Epidemie in Betracht gezogen werden. Es existieren noch keine zugelassenen Medikamente gegen Ebola.

Was die Forscher allerdings nicht erwähnen, sind jene Patienten des aktuellen Ausbruchs, denen das Medikament nicht helfen konnte. Der erste von ihnen, ein spanischer Geistlicher, starb kurz nach Beginn der Behandlung in einer Madrider Klinik. In Liberia bekam ein Arzt das Mittel, er starb ebenfalls. Über den Zustand von drei weiteren Patienten, die mit ZMapp therapiert werden, ist derzeit nichts Neues bekannt.

Hinzu kommt: Von den zwei überlebenden Amerikanern hatte mindestens einer vor ZMapp das Blut eines überlebenden Ebola-Patienten enthalten. In solchen Blutspenden befinden sich ebenfalls Antikörper gegen das Virus, die wie eine passive Impfung wirken und die Krankheit aufhalten können.

Das fulminante Ergebnis der Affenstudie fällt also hinter der Wirklichkeit der Menschen zurück. Sie lautet: Bisher hat ZMapp die Überlebensrate der Ebola-Infizierten nicht erhöhen können. Obwohl sich aus den derzeit sehr geringen Patientenzahlen noch keine Unwirksamkeit des Mittels ableiten lässt, zeigen die Versuche, dass es in Menschen keinesfalls immer wirkt. Weitere Patienten können derzeit nicht behandelt werden, weil die Reserven des Mittels erschöpft sind. Es wird in Tabakpflanzen hergestellt, die mehrere Monate zum Wachstum benötigen.

Das sollten auch die Experten der WHO in Betracht ziehen, wenn sie sich in Genf zu einem Ebola-Gipfel treffen. Dann könnte auch über die „besten Optionen“ unter den experimentellen Medikamenten beraten werden. Außer ZMapp gibt es mindestens zwei Impfstoffe und noch weitere Arzneien, die bislang an Menschen nicht getestet wurden.

Japan hat zudem ein potenziell wirksames Grippemittel angeboten. Es ist bereits klinisch auf Nebenwirkungen geprüft und zwar nicht für die Behandlung von Ebola, aber immerhin von Influenza beim Menschen zugelassen. In Mäusen hat es Ebola ebenfalls zu Hundert Prozent geheilt. Japan kann Mengen des Medikaments bereitstellen, die für die Behandlung von 20 000 Menschen ausreichen.

Damit sich vor allem europäische Länder und die USA stärker bei der Bekämpfung der tödlichen Virus-Krankheit engagieren, will nun die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) einschalten.

„Außer zahlreicher Reden und Versprechen finanzieller Hilfe ist nichts passiert“, kritisierte Mego Terzian, Chef der französischen Sektion von Ärzte ohne Grenzen, das Verhalten der Industrieländer. Diese hätten sogar eher noch Schaden angerichtet, indem sie die afrikanischen Regierungen zum Schließen von Grenzen und der Annullierung von Flugverbindungen geraten hätten.

Inzwischen sei die Lage so ernst, dass sie weder von Ärzte ohne Grenzen noch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder den Regierungen der betroffenen Länder unter Kontrolle gebracht werden könne. Der Sicherheitsrat solle sich deshalb des Problems annehmen und den Kampf gegen die Epidemie mit führenden Industrieländern koordinieren. Diese könnten auch Ärzte, Logistikexperten und sonstiges Personal entsenden - nicht zuletzt, um für Sicherheit zu sorgen.

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