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Forscher halten eine Impfung gegen Hautkrebs für prinzipiell machbar

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Baku, 7. April, AZERTAC

Forscher halten eine Impfung gegen Hautkrebs für prinzipiell machbar. Bei drei Probanden mit einem fortgeschrittenen Melanom zerstörte das Immunsystem die ganz speziellen Tumorzellen selbst.

Mit einer personalisierten Impfung haben Mediziner das Immunsystem von Melanom-Patienten auf ihren Tumor abgerichtet. Die therapeutischen Vakzine lösten eine massive Immunreaktion gegen Tumorbestandteile aus. Sie wurden von den drei Patienten gut vertragen, schreiben die Forscher um Beatriz Carreno von der Washington University School of Medicine in St. Louis (USA) über erste Zwischenergebnisse.

Die noch laufende Phase-1-Studie soll zunächst nur die Sicherheit des Verfahrens und die Reaktion der Körperabwehr prüfen. Die Forscher stufen sie jedoch als Machbarkeitsnachweis, „proof of principle“, ein. „Die personalisierten Immuntherapien, die auf individuelle Tumorveränderungen abzielen, könnten in naher Zukunft möglich werden“, schreiben sie in der Zeitschrift „Science“.

Genome des Hautkrebses untersucht

Es gibt schon diverse Ansätze, Krebs mit Immuntherapien zu bekämpfen. Sie beruhen generell darauf, das Immunsystem von Patienten gegen Tumoren einzusetzen. Die Forscher um Carreno testeten nun ein spezielles Impfverfahren an drei Patienten mit fortgeschrittenem schwarzen Hautkrebs, dem Melanom, deren Krebszellen die Lymphknoten erreicht hatten.

Sie schneiderten die Therapie dabei exakt auf den individuellen Tumor der einzelnen Patienten zu. Nach Entfernung der Primärtumoren sequenzierten sie deren Genome auf Mutationen, die für den jeweiligen Hautkrebs typisch waren.

Für die Impfung wählten sie jene sieben Proteine, von denen sie eine besonders starke Immunreaktion erwarteten. Diese kombinierten sie mit sogenannten dendritischen Zellen des Immunsystems. Nach insgesamt drei Impfungen untersuchten sie das Blut der Patienten vier Monate lang wöchentlich auf die Reaktion der Körperabwehr.

Die Impfungen stimulierten bei jedem Patienten eine individuelle Reaktion von T-Zellen verschiedener Gruppen. Nach vier Monaten fanden die Mediziner keine Nebenwirkungen.

Starke Antwort des Immunsystems – „Die Machbarkeitsstudie zeigt, dass diese maßgeschneiderten Impfungen eine sehr starke Immunantwort auslösen“, sagt Studienleiter Gerald Linette. „Die Tumor-Antigene in den Impfungen provozierten eine breite Reaktion unter jenen T-Zellen des Immunsystems, die für das Zerstören von Tumoren verantwortlich sind. Unsere Ergebnisse sind vorläufig, aber unserer Meinung nach haben die Impfungen angesichts der Breite und der bemerkenswerten Vielfalt der T-Zellen-Reaktion ein therapeutisches Potenzial.“

Das in der Studie gezeigte Vorgehen lasse sich auf andere Tumoren mit hoher Mutationsrate übertragen, schreiben die Forscher und nennen als Beispiele Lungen-, Blasen- und Darmkrebs.

Nach Ansicht von Professor Ulrich Keilholz von der Berliner Charité beweist die Studie tatsächlich das Prinzip, dass die Impfung mit ausgewählten Bestandteilen des eigenen Tumors eine breite Immunreaktion auslösen kann. Allerdings seien Resultate von nur drei Patienten nicht ausreichend, um weiterreichende Schlüsse zu ziehen, sagt der Experte für Tumorimmunologie.

Ähnlich äußert sich Professor Volker Schirrmacher vom Immunologischen Onkologischen Zentrum in Köln. Inzwischen habe man Verfahren, gezielt typische individuelle Mutationen eines Tumors zu ermitteln, mit denen sich eine breite Immunantwort auslösen lasse. Was das für die Therapie bedeute, müsse sich aber erst noch zeigen.

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