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Forscher schmuggeln Insektizid in Vogelnester

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Baku, den 6. Mai (AZERTAG). Fliegenlarven sind eine Lebensgefahr für frisch geschlüpfte Darwinfinken. Biologen haben nun einen Trick ersonnen, um die jungen Vögel auf den Galápagos-Inseln vor den Parasiten zu schützen. Sie mogeln ihnen lebensrettende Insektizide ins Nest.

Finken klauen manchmal Baumwollfasern für den Nestbau. Biologen haben nun diese Vorliebe genutzt und ihnen mit Insektengift getränkte Wattebällchen untergejubelt. Dadurch konnten sie die Vögel und ihren Nachwuchs vor gefährlichen Fliegenlarven in ihren Nestern schützen, wie die Wissenschaftler um Sarah Knutie von der University of Utah in Salt Lake City in der Fachzeitschrift „Current Biology“ berichten.

Das Experiment fand auf den Galápagos-Inseln statt, wo neben vielen anderen Vogelarten auch Darwinfinken (Geospizinae) leben. Ende des vergangenen Jahrhunderts tauchte dort eine aggressive Fliegenspezies (Philornis downsi) in großer Zahl auf. „Die Vögel sind auf diese Fliegen völlig unvorbereitet und ein gefundenes Fressen“, sagt Knutie. Die Fliegen legen ihre Eier in Vogelnester, und ihre Larven befallen Küken und erwachsene Weibchen, um Blut zu saugen.

Dabei sind die Larven eine tödliche Bedrohung. Manchmal würde in einer bestimmten Region die gesamte Brut der Darwinfinken den Larven zum Opfer fallen, schreiben die Forscher. Das würde den Bestand der Vögel gefährden.

Eine wirksame Waffe gegen die Fliegen ist das gängige Insektizid Permethrin. Es sei für Vögel und Menschen ungefährlich. „Das ist dasselbe Zeug, das auch in Anti-Läuse-Shampoo für Kinder vorkommt“, erklärt Knutie. Bislang sei es jedoch schwierig gewesen, jedes einzelne Nest mit dem Mittel zu besprühen.

Als Knutie Darwinfinken beobachtete, wie sie Baumwollfäden von einer Wäscheleine mopsten, kam ihr eine Idee: Warum können die Tiere das Insektizid nicht selbst zu ihren Nestern bringen? Die Biologen um Knutie hängten Watte aus Baumwolle mit und ohne Insektengift in die Nähe von 26 Finkennestern. Die meisten Vögel nutzten die Watte als Nistmaterial und woben sie in ihre Brutstätten ein.

Darwinfinken, die mit Insektizid getränkte Watte erwischten, hatten dabei im Schnitt nur halb so viele Fliegenlarven in ihren Nestern. Hatten die Vögel mindestens ein Gramm der behandelten Watte verbaut, waren sieben von acht Nestern sogar frei von Larven. Unbehandelte Watte hatte hingegen keine Wirkung.

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