GESELLSCHAFT


Gibt es Masernviren?

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Baku, 16. Februar, AZERTAC 

Ein Impfgegner zweifelt in einer skurrilen Wette an Masernviren. Doch obwohl er eindeutig verloren hat, will er nicht zahlen. Es geht um viel Geld - deswegen wird in der kommenden Woche weiter prozessiert.

Gibt es Masernviren? Und können diese krank machen? Die Antworten auf diese Fragen scheinen eigentlich - doch eben nicht für jeden. Ein Impfgegner aus Baden-Württemberg, der Biologe Stefan Lanka, hatte im Jahr 2011 demjenigen eine Prämie von 100.000 Euro versprochen, der die Existenz und Größe der Viren mithilfe von wissenschaftlichen Publikationen belegen könne.

Das klang nach leicht verdientem Geld. David Bardens, damals Medizinstudent und mittlerweile Arzt aus dem Saarland, schickte die Unterlagen an Lanka und forderte die Summe ein. Der wollte jedoch nicht zahlen - ein langer Rechtsstreit folgte. Und genau der geht nun in eine neue Runde.

Ab kommendem Dienstag beschäftigt die schräge Wette das Oberlandesgericht Stuttgart. Lanka will sich nicht damit abfinden, dass er die 100.000 Euro an Bardens zahlen soll. Dieser hat in Aussicht gestellt, das Geld für Impfkampagnen in Entwicklungsländern zu spenden.

Das Landgericht Ravensburg hatte Lanka am 12. März 2015 zur Zahlung verurteilt, inklusive Zinsen und Gerichtskosten.

Lanka ging in Berufung. Vor dem Oberlandesgericht macht er unter anderem geltend, dass die Voraussetzungen für den zu erbringenden Nachweis des Virus nicht überprüft worden seien.

Bardens war im Internet auf die 100.000-Euro-Wette von Lanka aufmerksam geworden. Er ließ sich das Ganze schriftlich bestätigen und suchte dann sechs wissenschaftliche Publikationen zu dem Thema heraus. Mitsamt seiner Kontodaten schickte er sie dem Impfgegner.

Dieser wollte jedoch nicht zahlen, weil die Fachartikel aus seiner Sicht die Existenz und Größe der Viren - und auch ihre krankmachende Eigenschaft - nicht belegen können.

Diese krankmachende Eigenschaft zweifelt der Impfgegner an: Masern beispielsweise würden durch eine Vergiftung oder aber durch psychosomatische Faktoren ausgelöst - und nicht durch Viren, sagt er. Das Impfen gegen Masern und Viren generell habe daher keine wissenschaftliche Rechtfertigung.

Unter Wissenschaftlern hingegen ist die Existenz von Masernviren unumstritten. Sie gehören zu den ansteckendsten Erregern, die es gibt. Seit den Sechzigerjahren wird in vielen Ländern gegen die - per Elektronenmikroskop deutlich erkennbaren - Viren geimpft, was die Erkrankungszahlen stark zurückdrängen konnte.

Zwar übersteht der Großteil der Menschen eine Masernerkrankung gut. Trotzdem kann sie lebensbedrohliche Folgen haben, wie etwa eine Hirnhautentzündung. Besonders bei Säuglingen und Kindern im ersten Lebensjahr und bei Erwachsenen über 20 Jahren ist die Gefahr von Komplikationen hoch.

Die Weltgesundheitsorganisation beklagte zuletzt, dass der Kampf gegen die Erreger stagniert. Im Jahr 2014 starben den Angaben zufolge weltweit 114.900 Menschen an den Folgen der Infektionskrankheit.

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