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Google attackiert Apple mit neuer Android-Marke

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Baku, den 2. Mai (AZERTAG). Google macht den Smartphone-Herstellern mit Android Silver klare Vorgaben – und beteiligt sich dafür an ihren Werbeausgaben. Trotzdem könnte der Vorstoß Unternehmen wie Samsung und Sony erzürnen.

Googles Mobil-Betriebssystem Android hat ein Problem: Die Nutzer bekommen die neuesten Versionen von Android meist nur mit großer Verspätung, teils machen sich die Smartphone-Hersteller gar nicht die Mühe, die neuesten Android-Versionen für ihre älteren Modelle bereit zu stellen.

Deswegen will Google nun den Druck auf die Hersteller erhöhen: Mittels einer eigenen Android-Premium-Marke namens Android Silver will der Konzern laut US-Medienberichten ab 2015 den Hardware-Herstellern genauer vorgeben, welche Android-Version mit welchen Modifikationen auf den Smartphones laufen darf.

Im Geschäft mit den hochpreisigen Smartphones kämpft Google gegen Apple. Apple kann mit seinen iPhones die höchsten Margen der gesamten Industrie einstreichen. Android-Handys wie das neue HTC One oder Sonys Xperia Z2 werden in Tests zwar gelobt, sind aber längst nicht so erfolgreich wie Apples iPhone.

Android Silver wird als eine Art Google-Qualitäts-Zertifikat für Android-Geräte geplant – halten sich die Hersteller an Googles Vorgaben, will der Konzern dafür den Berichten zufolge Marketingkosten für die Geräte übernehmen. Dafür soll Google im Gegenzug mit dem Gedanken spielen, die eigene Hardware-Marke Nexus aufzugeben.

Ein Blick auf Googles Status-Seite für Android zeigt das ganze Ausmaß von Googles Problem: Die aktuelle Android-Version 4.4 KitKat ist seit Dezember 2013 verfügbar, dennoch nutzen gerade einmal fünf Prozent aller Android-Geräte diese neueste Software. Knapp 20 Prozent nutzen dagegen Android 2.3 Gingerbread oder noch ältere Versionen – Gingerbread erschien im Dezember 2010.

Hersteller wollen eigene Oberflächen - Die meistgenutzte Android-Version 4.1 Jelly Bean stammt aus dem Juni 2012. Die Mehrzahl aller Android-Geräte läuft also mit Software, die mindestens knapp zwei Jahre alt ist. Die Ursache für diese Fragmentierung der Android-Geräte in völlig unterschiedliche Versionen: Große Smartphone-Hersteller wie Sony oder Samsung legen eigene Oberflächen und Funktionen über Googles Android-Basis, verändern Android teils bis zur Unkenntlichkeit, um ihre eigene Marke in den Vordergrund zu stellen.

Bringt Google eine neue Android-Version heraus, müssen die Hersteller auch ihre eigenen Modifikationen aktualisieren. Das aber dauert teils Monate. Auf Smartphones, die über Netzbetreiber an die Nutzer verkauft wurden, gibt es noch eine weitere Verzögerung. Denn Anbieter wie Vodafone und Deutsche Telekom testen Geräte mit den neuen Versionen erst einmal ausgiebig in ihren Netzen.

Für ältere oder weniger populäre Android-Geräte machen sich die Hersteller oft gar nicht erst die Mühe, das Update noch zur Verfügung zu stellen. Die Folgen für die Nutzer sind immens: Obwohl ihre Hardware durchaus in der Lage wäre, die neueste Software zu nutzen, verharren ihre Geräte auf einem veralteten Stand – neue Android-Funktionen wie der digitale Assistent Google Now bleiben ihnen vorenthalten. Schwerer wiegt, dass sie auch nicht in den Genuss von durch Updates geschlossene Sicherheitslücken kommen.

Google macht eindeutige Vorgaben - Googles neues Projekt Android Silver könnte dem ein Ende machen. Die neue Markenbezeichnung für Premium-Android-Smartphones könnte den Nutzern signalisieren, dass sie stets die neueste Betriebssystem-Version ohne allzu große Modifikationen bekommen.

Damit die Hersteller ihre Geräte mit dem Silver-Logo schmücken dürfen, müssen sie laut einem Bericht des US-Techmagazins „Information“ Vorgaben von Google einhalten: Weder dürfen sie Android allzu stark mit eigenen Apps und Oberflächen modifizieren, noch dürfen sie die Updates allzu lange verzögern.

Im Gegenzug will Google die Hersteller bei der Vermarktung der Silver-Geräte unterstützen und seine silbernen Androiden als neue Premium-Klasse bewerben. Bei Elektronik-Händlern, den Filialen der Mobilfunkbetreiber und in Marken-Stores der Hersteller sollen die Silver-Geräte einen eigenen Bereich eingeräumt bekommen, Verkäufer sollen speziell geschult werden.

 

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