WISSENSCHAFT & TECHNOLOGIE


Greenpeace-Kampf gegen Gen-Reis

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Baku, 4. Juli, AZERTAC

Hundert Nobelpreisträger haben Greenpeace dazu aufgerufen, Kampagnen gegen gentechnisch veränderten Reis zu überdenken. Dieser sei wichtig, um den Hunger in der Welt zu bekämpfen.

Mehr als hundert Nobelpreisträger haben sich in einem offenen Brief zur Gentechnik-Debatte frontal gegen die Umweltschutzorganisation Greenpeace gestellt. Greenpeace stehe an der Spitze von Organisationen, die aus grundsätzlicher Opposition gegen Genmanipulation auch Produkte wie den mit Vitamin A angereicherten Goldenen Reis ablehnten, heißt es in dem Schreiben, das an alle Regierungen der Welt und an die Uno gerichtet ist.

Im Gegensatz zu herkömmlichem Reis bildet Goldener Reis Beta-Karotin in seinen Körnern. Der Stoff ist normalerweise zum Beispiel in Karotten enthalten, aus ihm gewinnt der Körper Vitamin A.

"Wir wissen inzwischen, dass die gentechnisch veränderten Reispflanzen sicher sind", sagte Richard Roberts bei einer Pressekonferenz in Washington. "Die Methode an sich führt nicht zwangsläufig zu etwas Schlechtem."

Roberts hat 1993 den Medizin-Nobelpreis erhalten. Heute arbeitet er bei der Biotechnologie-Firma New England Biolabs, wo er Enzyme erforscht. Zu den Unterzeichnern des offenen Briefes gehören auch die deutschen Nobelpreisträger für Medizin Harald zur Hausen, Erwin Neher und Christiane Nüsslein-Volhard.

Wissenschaft vor Meinung - Der Appell der Nobelpreisträger bezieht sich auf einen Aufruf der Uno-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO), nach dem im Kampf gegen Hunger die globale Produktion von Nahrungsmitteln bis 2050 verdoppelt werden muss.

Greenpeace und gleichgesinnte Organisationen sollten vor diesem Hintergrund "die Erkenntnisse zuverlässiger wissenschaftlicher Einrichtungen anerkennen" und ihre "Kampagne" gegen gentechnisch veränderte Organismen im Allgemeinen sowie gegen Goldenen Reis insbesondere aufgeben, heißt es im Aufruf der Nobelpreisträger. Die Regierungen rund um die Welt sollten alles unternehmen, um den Bauern die "Werkzeuge der modernen Biologie" zur Verfügung zu stellen.

Der Goldene Reis könne dazu beitragen, bei 250 Millionen Menschen Krankheit oder Tod durch Vitamin-A-Mangel zu bekämpfen, argumentieren die Forscher. Wissenschaftliche Gremien hätten weltweit "wiederholt und stimmig" aufgezeigt, dass gentechnisch veränderte Nahrungsmittel mindestens ebenso sicher seien wie die aus anderen Produktionsabläufen.

"Was ich nicht verstehe, ist, dass Greenpeace wissenschaftliche Erkenntnisse akzeptiert, wenn sie ihre Absichten unterstützen, entsprechen die Ergebnisse jedoch nicht ihrer Agenda, widersprechen sie der Wissenschaft", sagte Randy Schekman, der 2013 den Medizin-Nobelpreis bekommen hat und an der University of California in Berkeley forscht.

Nutzen laut Greenpeace nicht bewiesen - Greenpeace wies in einer ersten Reaktion die Anschuldigungen zum Vitamin A zurück. Laut dem Internationalen Institut für Reisforschung (Irri) sei der Nutzen von Goldenem Reis bei der Bekämpfung von Vitamin-A-Mangel nicht bewiesen. Die Organisation hatte Goldenen Reis bereits in der Vergangenheit als "gefährliche Illusion" bezeichnet. Zur Bekämpfung von Vitamin-A-Mangel gebe es andere Strategien wie Beimischungen in Grundnahrungsmitteln oder Gärten zur Obst- und Gemüseversorgung in Gebieten mit armer Bevölkerung.

Die mit Gentechnik befassten Unternehmen nutzten den Goldenen Reis, um die weltweite Ausbreitung von gentechnisch veränderten Organismen zu forcieren, erklärte Greenpeace nun noch einmal. Die "einzige garantierte Lösung" im Kampf gegen Mangelernährung sei eine "gesunde und vielfältige Ernährung".

"Wir wurden in Staaten rund um die Welt dafür angegriffen, dass wir Landwirten und Gemeinden dabei helfen, die Gefahren durch gentechnisch verändertes Saatgut abzuwenden", sagte Greenpeace-Forscher Charlie Cray. "Ich frage mich, warum es eine Pressekonferenz in Washington gibt, eine Woche, bevor es eine Abstimmung über die Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Organismen geben soll."

Der US-Senat entscheidet kommende Woche über einen Entwurf, der Einfluss auf die Kennzeichnung gentechnisch veränderter Organismen im Bundesstaat Vermont haben könnte.

Die Nobelpreisträger halten dagegen, die Wissenschaft spreche für sich. Sie riefen Greenpeace dazu auf, zu prüfen, auf welcher Informationsbasis die Organisation ihre Entscheidungen fällt.

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