GESELLSCHAFT


Hormone sind weit mehr als nur Botenstoffe. Sie steuern unseren Körper – und formen unsere Persönlichkeit

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Baku, den 9. Juli (AZERTAG). Was bestimmt unser Leben? Was macht uns zu der Persönlichkeit, die wir sind? Fragen wie diese beschäftigen Psychologen, Soziologen und Hirnforscher, Mediziner und Philosophen. Die beiden beliebtesten Antworten: die Gene, weil sie unsere Persönlichkeit und unsere Fähigkeiten bestimmen; die Umwelt, weil sie uns formt. Es ist eine Mischung aus beidem, Genen und Umwelt, da ist man sich inzwischen einig. Strittig ist nur, wie groß wessen Anteil ist.

Doch es gibt noch eine weitere Macht im Hintergrund, deren Einfluss nach Meinung vieler Forscher unterschätzt wird: die Hormone. „Sie sind der Schlüssel, um unser Verhalten und die Persönlichkeit wirklich zu verstehen“, sagt der Endokrinologe Martin Wabitsch von der Universitätsklinik Ulm.

Zwar ist auch das Hormonprofil genetisch beeinflusst: Wie viele welcher Hormone die Drüsen ausschütten, ist ein Stück weit vererbt; am deutlichsten wird das bei den Geschlechtern – der Mann produziert mehr Testosteron, die Frau mehr Östrogene. Und auch die Umwelt kann die Bildung von Hormonen mitbestimmen, etwa Sport, Ernährung, Stress. Doch trotz all dieser Einflüsse von außen sind Hormone nicht nur ausführende Botenstoffe. "Sie können umgekehrt auch das Erbgut beeinflussen und – durch das ausgelöste Verhalten – sogar unsere Umwelt", sagt Wabitsch. Damit gehören sie neben den Genen und der Umwelt zu den Faktoren, die den Menschen zu dem machen, was er ist.

150 Hormone haben die Forscher bislang gefunden, aber das dürfte nur ein Bruchteil sein: Auf weit mehr als 1.000 schätzen Wissenschaftler die Zahl inzwischen. Was bisher entdeckt wurde, versucht die Medizin für sich zu nutzen. Ärzte setzen Insulin ein, um Diabetiker zu behandeln, die das Hormon meist nur unkontrolliert und in zu geringer Menge ausschütten.

Und die Antibabypille ist nichts anderes als eine Ladung von Hormonen, die dem Körper vormacht, er sei schwanger – und so das Entstehen einer echten Schwangerschaft unterbindet. Mithilfe von Geschlechtshormonen lassen sich auch Männer zu Frauen und Frauen zu Männern umprogrammieren. Führt man allerdings zu viele weibliche Geschlechtshormone zu, kann es zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall kommen. Wer mit Hormonen behandelt, hält also ein ebenso mächtiges wie gefährliches Werkzeug in der Hand.

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