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In Ägypten bei Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten erneut zahlreiche Menschen verletzt worden

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Baku, den 3. August (AZERTAG). In Ägypten sind bei Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten erneut zahlreiche Menschen verletzt worden. Die Einsatzkräfte in der Hauptstadt Kairo gingen in der Nacht zu Samstag mit Tränengas gegen Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi vor. 23 Menschen wurden verletzt, die Polizei meldete Dutzende Festnahmen.

Die Demonstranten hatten sich unter anderem vor dem Medienzentrum versammelt, um gegen die aus ihrer Sicht einseitige Berichterstattung zu protestieren. Tatsächlich unterstützen die meisten Medien den Sturz Mursis. Die Demonstranten hätten einen Komplex mit den Redaktionen mehrerer Medien angegriffen, sagte ein Vertreter der Polizei. Die Partei für Gerechtigkeit und Freiheit der Muslimbrüder erklärte dagegen, ihre Anhänger seien bei friedlichen Protesten vor den Gebäuden mit Tränengasgranaten beschossen worden. Auch aus anderen Städten wurden Proteste gemeldet.

Die Mursi-Anhänger errichteten in Kairo nach Angaben der Nachrichtenagentur AP ein drittes Protestcamp. Im östlichen Stadtteil Heliopolis bauten Tausende Demonstranten Zelte auf und blockierten den Verkehr. Über dem neuen Lager kreiste in der Nacht ein Militärhubschrauber.

Die Regierung bezeichnet die Camps als „Bedrohung der nationalen Sicherheit“ und kündigte an, sie mit Gewalt zu räumen. Binnen 48 Stunden wollen die Einsatzkräfte nun zwei Anfang Juli errichtete Protestlager einkesseln. Das Innenministerium versprach „freies Geleit und Schutz“, sollten sie ihre Lager freiwillig räumen. Beobachter befürchten einen neuerlichen Gewaltausbruch, sollten die Behörden tatsächlich ihr Vorhaben umsetzen und Sicherheitsabsperrungen um die Sitzblockaden errichten.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warnte vor einer Eskalation der Gewalt. Sprecher Nadim Houry erklärte, die Führung des Landes müsse das Recht der Demonstranten auf friedliche Versammlung gewährleisten. Allerdings berichtete eine andere Menschenrechtsorganisation, Amnesty International, von Fällen mutmaßlicher Tötungen und Folter durch Mursi-Anhänger in den Protestlagern.

Die Muslimbrüder fordern die Wiedereinsetzung des an einem unbekannten Ort inhaftierten Mursis ins Präsidentenamt. Seit seiner Entmachtung Anfang Juli sind bei gewalttätigen Zusammenstößen mit Sicherheitskräften mindestens 130 Mursi-Anhänger getötet worden, Hunderte weitere wurden verletzt.

US-Außenminister John Kerry rief alle Konfliktparteien in Ägypten zur Zusammenarbeit auf, um gemeinsam eine friedliche Lösung zu erreichen. Tags zuvor hatte Kerry den Sturz Mursis als legitim erklärt. Das ägyptische Militär habe die „Demokratie wiederhergestellt“. Die Aussagen brachten ihm Kritik von der Muslimbruderschaft ein, der der gestürzte Staatspräsident Mursi entstammt.

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