GESELLSCHAFT


In Nigeria zwei Kinder an Kinderlähmung erkrankt

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Baku, 13. August, AZERTAC

Das Virus steht in der Natur kurz vor der Ausrottung, jetzt gibt es einen Rückschlag. In Nigeria sind nach zwei Jahren Pause wieder Kinder an Polio erkrankt. Daneben gibt es nur noch Fälle in Pakistan und Afghanistan.

Im krisengeplagten Nordosten Nigerias ist bei zwei Kindern das Polio-Virus diagnostiziert worden. Das teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Donnerstag (Ortszeit) mit. Beide Kinder wiesen Lähmungserscheinungen auf.

Erst vor einem Jahr hatte die WHO Nigeria von der Liste der Länder gestrichen, in denen das Polio-Virus natürlich vorkommt. Zuvor war in dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas mehr als ein Jahr lang niemand an dem Erreger erkrankt. Es bestand Hoffnung, das Land bis 2017 für komplett poliofrei zu erklären.

Um weitere Lähmungsfälle zu vermeiden, müssten jetzt dringend alle Kinder in der betroffenen Region gegen Polio geimpft werden, so die WHO. Dies ist allerdings schwierig. In Nigerias Nordosten ist die radikalislamische Miliz Boko Haram aktiv. In vielen Regionen wird gekämpft, es herrscht große Armut.

Zudem gibt es kulturelle Vorbehalte gegen Impfungen. Gerüchte kursieren zum Beispiel darüber, dass Impfungen zu Unfruchtbarkeit führen. Einige Bundesstaaten im muslimischen Norden Nigerias stellten die Polio-Impfungen bereits 2003 ein.

Ein Gelähmter bei 100 bis 1000 Infizierten - Laut genetischen Untersuchungen ähnelt das jetzt gefundene Virus einem Erreger, der in der Region 2011 zum letzten Mal nachgewiesen wurde. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Polio-Viren noch auf einem geringen Level kursierten, heißt es in einer Mitteilung der WHO. Das gelte vor allem für Gebiete, in denen nicht alle Kinder geimpft seien.

Ein Grund dafür, dass das Virus oft unerkannt bleibt, ist, dass mehr als 95 Prozent der Infizierten nichts von ihrer Ansteckung bemerken. Ihr Körper bekämpft den Erreger, ohne dass es zu Beschwerden kommt. Trotzdem können sie das Virus weitergeben, dies passiert vor allem bei schlechten hygienischen Verhältnissen über den Stuhl.

Bei etwa 0,1 bis 1 Prozent der Infizierten befällt der Erreger das Zentrale Nervensystem und führt zu so starken Schäden, dass es zu Lähmungen kommt. Das heißt, dass sich bei zwei Lähmungsfällen wie jetzt in Nigeria wahrscheinlich Hunderte bis wenige Tausend mit dem Virus infiziert haben.

Kurz vor der Ausrottung - "Wir sind zuversichtlich, dass wir mit einer schnellen Reaktion und einer engen Zusammenarbeit mit der nigerianischen Regierung das Land bald ein für alle mal von Polio befreien können", sagt Michael Zaffran, Leiter des Polio-Ausrottungs-Programm bei der WHO.

Die Welt steht kurz davor, das Polio-Virus auszurotten. 2016 seien bis jetzt weltweit 21 Krankheitsfälle gemeldet geworden. Vergangenes Jahr waren es zu diesem Zeitpunkt noch 34, heißt es in einer Mitteilung der WHO.

Neben den jetzt bekanntgewordenen Fällen aus Nigeria erkranken aktuell nur noch Menschen in Afghanistan und Pakistan an dem natürlich vorkommenden Virus. 1988, vor Beginn der großen Impfkampagnen, mussten sich noch Menschen in 125 Ländern der Welt vor der Kinderlähmung fürchten.

Bis niemand mehr an Kinderlähmung erkrankt, wird es trotzdem noch eine Weile dauern. Das zeigt der aktuelle Rückschlag in Nigeria.

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