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Inselstreit zwischen Japan und China

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Tokio, 9. August, AZERTAC

Chinesische Schiffe sollen nahe den umstrittenen Senkaku-Inseln in japanische Hoheitsgewässer eingedrungen sein. Außenminister Kishida bestellte daraufhin den Botschafter der Volksrepublik ein. Das könnte den alten Konflikt weiter befeuern.

China lässt offenbar Schiffe nahe einer umstrittenen Inselgruppe im Ostchinesischen Meer auffahren. Nach Angaben der japanischen Regierung wurden fünf Tage in Folge Schiffe der chinesischen Küstenwache vor den japanisch Senkaku und chinesisch Diaoyu genannten Inseln gesehen. Drei der Schiffe sollen in japanische Hoheitsgewässer eingedrungen sein.

Als Reaktion darauf bestellte Tokio nun den chinesischen Botschafter ein - zum zweiten Mal in der Sache. Erst am vergangenen Freitag soll es eine Unterredung der Diplomaten dazu gegeben haben. Man könne nicht akzeptieren, dass China Entscheidungen treffe, "die einseitig die Spannungen verschärfen", erklärte Außenminister Fumio Kishida am Dienstag.

Peking streitet schon lang mit Japan um die strategisch wichtigen, unbewohnten Felseninseln. China und Taiwan sind sich darin einig, dass die Inseln zu der Stadt Toucheng im Bezirk Yilan auf Taiwan gehören. Demnach hätten die Chinesen die Inselgruppe im 16. Jahrhundert gefunden. Als Beweis dient eine alte Karte, die belegen soll, dass die Inseln bis 1895 von China verwaltet wurden. Dann fielen sie nach dem japanisch-chinesischen Krieg an den Sieger Japan. Die Insel Taiwan, die Peking für sich beansprucht, wurde japanische Kolonie.

Japan hingegen behauptet, es habe die Senkaku-Inseln 1884 entdeckt und dort keine Spur gefunden, die darauf schließen ließe, dass jemand vorher dort gewesen sei. Tokio kontrollierte die Inseln von 1895 bis zu seiner Niederlage im Zweiten Weltkrieg 1945. Die Siegermächte entzogen den Japanern die Kontrolle über viele Inseln, so auch über die Senkakus. Die Amerikaner verwalteten sie bis 1972 und gaben sie schließlich an die Präfektur Okinawa zurück.

Der Konflikt flammte 2012 neu auf, als Japans Regierung drei Inseln von privater Hand kaufte, was große anti-japanische Proteste in China auslöste.

China liegt auch mit mehreren weiteren Staaten aus der Region im Streit um Archipele im Südchinesischen Meer. Dort streitet die Volksrepublik mit etlichen asiatischen Staaten um die Spratley- und Paracelinseln.

Ein Gericht in Den Haag hatte im Juli festgestellt, dass es keine historische Grundlage dafür gibt, weshalb China einen Großteil des Gebiets für sich beanspruchen könne. Es gab damit den Philippinen recht, die Klage eingereicht hatten. Allerdings hat das Gericht keinerlei Mittel, um das Urteil gegen China durchzusetzen. Peking teilte schon vor dem Richterspruch mit, diesen ignorieren zu wollen.

Nun hat das Center for Strategic and International Studies in Washington Bilder veröffentlicht, die das untermauern: Demnach hat China auf den Spratley-Inseln Hangars errichtet, die groß genug sind, um Militärmaschinen darin abstellen zu können. Zudem sollen die Wände verstärkt sein, was ebenfalls auf eine militärische und nicht - wie von den Chinesen behauptet - auf eine zivile Nutzung schließen lasse, schreibt die "New York Times".

Wugar Aghayev, Tokio

AZERTAC

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