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Irmatov pfeift USA-Deutschland

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Baku, den 25. Juni (AZERTAG). Der Usbeke Ravshan Irmatov leitet am Donnerstag das dritte WM-Vorrundenspiel der deutschen Mannschaft gegen das Team der USA. Das teilte der Fußball- Weltverband FIFA am Dienstag mit. Für den 36-Jährigen ist es bereits der dritte Einsatz im laufenden Turnier in Brasilien. Irmatov hatte erst am Montag beim 3:1 Sieg von Mexiko über Kroatien das Spiel geleitet, davor pfiff er beim 2:1-Erfolg der Schweiz über Ecuador. Bei der WM 2010 kam er im Eröffnungsspiel und beim deutschen 4:0-Erfolg im Viertelfinale über Argentinien zum Einsatz.

USA - Deutschland, oder Jürgen Klinsmann gegen Joachim Löw. Bei der WM 2006 sorgten beide mit innovativen Methoden für das Sommermärchen. Doch wie haben sich die beiden seitdem entwickelt und was wird man im direkten Duell sehen können?

Auch wenn er bei den Münchner Bayern scheiterte, in den USA feiert Klinsmann mit seinen Ideen trotz anfänglicher Widerstände aus Medien und Verband bislang große Erfolge. Er hat das „24/7“-Konzept eingeführt (Ausrichtung des gesamten Lebensstils auf das Erreichen ihrer potenziellen Maximalleistung) und tritt für mehr US-Legionäre in Europa ein, was von den Amerikanern sehr kritisch beäugt wird.

Bis heute hängt Klinsmann jenem Ideal nach, welches er einst gemeinsam mit Löw verfolgte: Kurze Ballkontaktzeiten, flexible Formationen, schnelles Spiel in die Spitze und Kollektivität in allen Spielphasen.

Löw steht zwar ebenso für viele dieser Eigenschaften, ist aber idealistischer in der grundsätzlichen Ausrichtung. Dies zeigt sich insbesondere an einer Personalie, welche zur Schlüsselposition auf deutscher Seite werden könnte und den Diskussionspunkt der letzten Wochen darstellt: Philipp Lahm auf der Sechs.

Im Gegensatz zu Klinsmann ist Löw in der Taktik weniger pragmatisch, hat dafür aber sein Spielmodell breiter gefächert. Die DFB-Elf fokussiert sich stärker auf den Ballbesitz, sucht aber ebenfalls nach einer intensiven und dynamischen Spielweise.

Die Suche nach einer flexiblen und spielerischen Umsetzung des schnellen englischen Spiels der 00er-Jahre als Ideal ist somit auf beiden Seiten vorhanden, nur die Wege weichen voneinander ab.

Lahm beispielsweise hätte bei dem flügelorientierten und körperbetonten Spiel der Amerikaner als Sechser keinen Platz, unter Löw ist er aktuell wie auch unter Guardiola der wichtigste Systemspieler im Mittelfeld. Er soll hier mit seiner Pressingresistenz, seiner strategischen Ballverteilung und seiner Leichtfüßigkeit die Ballzirkulation am Leben erhalten.

Im Gegensatz zur Körperlichkeit und Reaktivität der USA spielt Deutschland unter Löw also von der grundlegenden Ausrichtung und Spielernutzung proaktiver und spielerischer.

Löws Stellschrauben

Interessant dürften Löws Anpassungen werden: Erhöhtes Aufrücken von Schweinsteiger auf der Acht, tieferes Einrücken der Flügelstürmer oder eine extreme Einbindung von Kroos und Lahm im Aufbauspiel in einem 4-2-3-1 wären realistische Möglichkeiten.

Dynamische Überladungen in den Halbräumen dürften wohl die grundsätzliche Marschroute für diese Partie darstellen; die US-Boys hingegen werden eher improvisieren.

Dies ist nämlich der letzte große Unterschied zwischen den beiden Trainern: Während Löw sich vieles detailliert ausfertigen, planen und eintrainieren wird, kann man von Klinsmann mehr Mündigkeit gegenüber den Spielern und weniger gruppentaktische Sauberkeit erwarten. Geschadet hat es den Amerikanern bislang aber nicht.

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