WIRTSCHAFT


JP Morgan rechnet mit Beschluss zu Milliardenstrafe

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Baku, den 19. November (AZERTAG). Jahrelang zahlten fast nur die Steuerzahler für die Finanzkrise, jetzt sind die Banken dran. Übereinstimmenden Berichten zufolge wird am Dienstag eine Rekordstrafe gegen JP Morgan verkündet. Das US-Institut muss für windige Hypotheken-Deals mit 13 Milliarden Dollar geradestehen.

Lange galt Jamie Dimon als geborener Sieger, als Halbgott unter den Bankern. Jetzt verbringt er viel Zeit mit juristischen Grabenkämpfen - und verliert meist. 13 Milliarden Dollar Strafe muss die von ihm geführte Bank JP Morgan Chase wohl in Kürze zahlen, als Entschädigung für dubiose Hypothekengeschäfte. Ein entsprechender Vergleich steht mehreren Berichten zufolge vor dem Durchbruch.

Das Geldhaus und die zuständigen US-Behörden hätten sich über die letzten Details geeinigt, berichten das „Wall Street Journal“ und die Nachrichtenagentur Reuters. Eine Einigung soll noch am Dienstag verkündet werden. Keine der beteiligten Parteien wollte dies offiziell kommentieren.

Allein vier Milliarden Dollar soll JP Morgan indirekt an Verbraucher zahlen, berichtet Reuters. 1,5 Milliarden Dollar davon für die Abschreibung von Krediten, bei denen die Höhe der Hypothek den Wert der Immobilie übersteige. 500 Millionen sollen aufgewendet werden, um Kredite mit niedrigeren Tilgungsraten auszustatten. Die übrigen zwei Milliarden seien unter anderem für neue Kredite an Menschen mit geringem Einkommen in besonders von der Häuserkrise betroffenen Gegenden eingeplant. Und für den Abriss von verlassenen Häusern.

Laut „Financial Times“ ist zudem einer der letzten Streitpunkte zwischen JP Morgan und den US-Behörden ausgeräumt worden. Die Bank soll auch die Verantwortung für Fehler der US-Sparkasse Washington Mutual übernehmen. JP Morgan hatte das Haus in der Finanzkrise übernommen.

Niederlage um Niederlage muss Dimon hinnehmen. Die Steuerzahler wird es freuen. Jahrelang sah es so aus, als müssten hauptsächlich sie für die Finanzkrise aufkommen, für jene verheerende Kettenreaktion, die Millionen Menschen in den USA und in Europa mittellos machte, zeitweise sogar heimatlos. Doch jetzt, gut fünf Jahre danach, müssen die Banken für ihre Vergehen zahlen, so auch JP Morgan.

Verluste in der Bilanz, ramponierter Ruf - Die Behörden werfen Dimons Geldhaus Gesetzesverstöße beim Verkauf von Wertpapieren und Immobilienkrediten vor. Nach dem Platzen der Preisblase am US-Immobilienmarkt waren viele mit Hypotheken besicherte Wertpapiere weitgehend wertlos geworden. Viele Institute waren in finanziellen Schwierigkeiten und mussten staatlich gestützt werden. Etliche Verbraucher verloren ihre Häuser und blieben auf gewaltigen Schulden sitzen.

Es ist nicht die erste saftige Strafe, die JP Morgan berappen muss. Vergangene Woche hatte sich das Institut bereits mit einer Gruppe von Investoren geeinigt, eine Entschädigung von 4,5 Milliarden Dollar für Verluste durch Hypothekenpapiere zu zahlen.

Der einst tadellose Ruf der US-Großbank ist wegen der nicht abreißenden juristischen Auseinandersetzungen ramponiert. Insgesamt legte die Bank bislang rund 23 Milliarden Dollar für mögliche Strafen zurück. Im dritten Quartal Geld musste JP Morgan deshalb einen Verlust von 380 Millionen Dollar ausweisen, das erste Minus seit neun Jahren. Vor einem Jahr hatte die Bank noch 5,7 Milliarden Dollar verdient.

Auch anderen Finanzinstituten stehen hohe Straf- und Entschädigungszahlungen bevor. In Deutschland steht die Deutsche Bank im Fokus der Ermittler.

 

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