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Kaiserpinguine sind flexibel

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Baku, den 27 Juni (AZERTAG). Sie galten als standorttreu und sind es jetzt doch nicht. Kaiserpinguine suchen sich in der Antarktis öfter mal eine neue Heimat. Gute Nachrichten angesichts schwindender Eisflächen.

Pinguine in der Antarktis sind weniger heimatverbunden als angenommen. Bisher dachten Forscher, dass Kaiserpinguine immer wieder zu dem selben Brutort zurückkehren. Und waren besorgt, dass das schwindende Meereis die Tiere beeinträchtigen könnte. Doch aktuelle Forschungsergebnisse geben Entwarnung.

Wissenschaftler der Universität von Minnesota in Saint Paul fanden innerhalb von drei Jahren sechs ehemalige Plätze von Pinguinkolonien, zu denen die Tiere nicht zurückgekehrt waren. Michelle LaRue und ihre Kollegen identifizierten die Brutplätze anhand von Kot und anderen Hinterlassenschaften. Zugleich entdeckten sie bei der Auswertung von Satellitenaufnahmen neue Brutkolonien.

„Unsere Untersuchungen zeigen, dass Brutkolonien über die Jahre aufzutauchen und zu verschwinden scheinen“, sagt LaRue. „Das passt nicht zu dem Verhalten von Kaiserpinguinen, wie wir es zu verstehen glaubten.“

Wissenschaftler um André Ancel von der Universität Straßburg in Frankreich bestätigen diese Erkenntnisse. Auch sie hatten Satellitenbilder ausgewertet - vor und nach dem Abbruch einer großen Gletscherzunge im Februar 2010. Die Kolonie auf der Zunge des Mertz-Gletschers in der Ost-Antarktis zog offenbar in die Nähe der Abbruchkante um, wo es zuvor keine Kolonie gegeben hatte, berichten die Forscher.

Bei einem Besuch stellten Ancel und Kollegen dann überrascht fest, dass es in etwa 20 Kilometern Entfernung eine zweite Kolonie gibt. Sie sei auf den Satellitenaufnahmen nicht zu erkennen gewesen, schreiben die Forscher. Sie vermuten, dass die ungünstigen Landschaftsbedingungen zu einem Aufspalten der ehemaligen Kolonie geführt haben. „Die Fähigkeit der Kaiserpinguine, wegen Veränderungen in der Umwelt ihre Kolonien zu verlegen, unterstreicht den weiteren Bedarf an einem Mix aus Fernerkundung und Untersuchungen vor Ort“, betonen die Biologen.

Nach der Auswertung früherer Schätzungen und eigener Berechnungen kommt Ancels Team auf etwa 260.000 Kaiserpinguin-Paare in 52 Brutkolonien der Antarktis. Das seien rund ein Viertel mehr als vor 15 Jahren.

 

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