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Kleidungsstück vor der niederländischen Küste

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Baku, 22. April, AZERTAC 

Schon vor zwei Jahren hatten Taucher vor der niederländischen Insel Texel ihren spannenden Fund gemacht - doch die Welt hat erst mit einiger Verspätung von der Kostbarkeit erfahren, die da unter dicken Lagen Sand im Wattenmeer die Zeiten überdauert hat: ein Seidenkleid, geborgen aus den Resten eines britischen Schiffs. Es belegt eine Geheimexpedition aus dem Jahr 1642, bei der es um nicht weniger ging als den Verkauf der britischen Kronjuwelen.

Eine der Schlüsselpersonen der Geschichte ist eine gewisse Jean Kerr. Ihr gehörte das Kleid nach Ansicht von Wissenschaftlern nämlich. Die Schottin war erstens Gräfin von Roxburghe, zweitens Spionin im Auftrag des spanischen Königs und drittens Hofdame der Königin Henrietta Maria, die wiederum Gemahlin des britischen Königs Charles I. war.

Der Herrscher brauchte Geld, um sich für den heraufziehenden britischen Bürgerkrieg zu rüsten. Deswegen wollte er über seine Frau die Schätze des Staates verkaufen. Und Kerr sollte dabei helfen.

Eine Flotte aus zwölf Schiffen machte sich im Februar 1642 von Dover aus auf ins niederländische Hellevoetsluis. Offizieller Grund der Fahrt war die Beförderung eines jungen Fahrgastes: Prinzessin Mary sollte zu ihrem Gatten Wilhelm II. von Oranien gebracht werden. Die Dame war damals zehn Jahre alt, aber das nur nebenbei.

Doch eigentlich sollte die Expedition die Kriegskasse des Königs füllen, der Waffen für seinen Kampf gegen die Parlamentarier kaufen musste. Ein Schiff geriet auf der Fahrt in schwere See. Das Inventar der Königin und die Garderoben von mitreisendem Hofpersonal, darunter Jean Kerr, landeten am Meeresgrund.

Chiffrierter Brief - Mehr als 370 Jahre später konnte das Kleidungsstück wieder geborgen werden - zusammen mit einigen anderen Gegenständen, darunter ein Kamm, eine Buchhülle und ein Etui. Zwei Forschern ist es zu verdanken, dass das Kleid tatsächlich Jean Kerr zugeschrieben werden kann: den Kulturhistorikern Helmer Helmers von der Universität Amsterdam und Nadine Akkerman von der Universität Leiden.

Sie fanden im Archiv einen im Jahr 2006 dechiffrierten Brief der Stuart-Prinzessin Elizabeth: Sie berichtete dem britischen Diplomaten Thomas Roe am 17. März 1642 vom Untergang des Schiffes und dem Verlust der Ladung, Kleidung des Hofpersonals inklusive.

Ein Museum auf Texel stellt das Kleid nun aus. Kerr war die älteste Teilnehmerin der Schiffsexpedition. Weil der Stil des gefundenen Kleides für die damalige Zeit bereits sehr altmodisch war, sind sich die Forscher sicher, dass es Kerr gehörte - also der Seniorin an Bord, die im Jahr 1643 starb.

Der versuchte Verkauf der Kronjuwelen lief nach Erkenntnissen von Historikern übrigens bestenfalls schleppend - weil die potenziellen Käufer daran zweifelten, dass die britischen Herrscher die Schätze überhaupt verhökern durften.

König Charles I. hatte kein besonders angenehmes Schicksal: Er wurde 1649 zum Tode verurteilt und enthauptet, nachdem ihn das Parlament des Hochverrats für schuldig befunden hatte. Der Anführer der Republikaner, Oliver Cromwell, ließ nach der Hinrichtung die verbliebenen Kronjuwelen entweder verkaufen oder einschmelzen.

Königin Henrietta Maria war zu diesem Zeitpunkt bereits seit fünf Jahren im Exil in Frankreich.

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