WELT


Korruption kennt viele Formen – von Parteispenden bis Sex-Diplomatie

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Berlin, 27 Oktober, AZERTAC

Der Deutsche Bundestag hat dieser Tage ein Gesetz zur Bekämpfung der Korruption beschlossen. Das Gesetz „dient der Umsetzung internationaler und europäischer Übereinkommen zur Bekämpfung grenzüberschreitender und internationaler Korruption“, so heißt es in den Drucksachen des Bundestages. „Mit dem gestern verabschiedeten Gesetzentwurf schaffen wir neue Maßstäbe bei der Korruptionsbekämpfung“. Man setze damit „ein klares Zeichen, dass wir Korruption in Deutschland mit allen Mitteln bekämpfen und nicht im Ansatz tolerieren werden“, lobt die SPD-Bundestagsfraktion.

Es scheint, als sei Korruption in Europa tatsächlich ein Problem sondergleichen. „Korruption spiele im Europarat eine größere Rolle als bekannt, sagt ein Bundestagsabgeordneter“, so zu lesen im „Tagesspiegel“ vom 30. Juni 2015.Die Europäische Union kennt gar ein „EU-Bestechungsgesetz“.

Die Korruption kennt viele Formen, wahrscheinlich ist sie deshalb so schwer zu beherrschen. Der Klassiker aus dem Gangster-Film, wie das Überreichen eines schwarzen Koffers voller Geld, kommt wohl auch vor, dürfte aber nicht die Regel sein. Es gibt durchaus subtilere Formen – so nahm in Deutschland ein Stadtrat ein Darlehen über 100.000 Euro von einem Hotelinvestor an, dem er im Gegenzug eine Bürgschaft für ein Hotelprojekt bewilligte. Oder der Fall, in dem drei BMW-Großaktionäre just dann 690.000 Euro an deutsche politische Parteien spenden, als die Bundesregierung strengere Abgasnormen in Brüssel blockiert.

Um Menschen zu bestechen, muss auch gar kein Geld im Spiel sein. Korruption kommt manchmal im frivolen Gewande daher. So sind Gastgeschenke aus Fleisch und Blut, zumeist fernab störender Mitwisser auf dem Kingsize-Bett des Hotelzimmers wartend, gang und gäbe. Der gemeinsame Besuch eines Etablissements auf Kosten des Gastgebers kommt hingegen etwas aus der Mode, seit man durch die allgegenwärtigen Smartphones jederzeit Gefahr läuft, beim munteren Treiben gefilmt zu werden. Liebesdamen dürften wohl eines der häufigsten Mittel sein, sich Entscheider aus Wirtschaft und Politik gewogen zu machen. Im Herzen von Berlin gibt es eine bekannte Bar, im Taxifahrer-Jargon nach Mitternacht Nutten-Bar genannt – Polit-Promi-Dichte: hoch. Auch Armenien ist berühmt dafür, es ausländischen politischen Delegationen an nichts mangeln zu lassen. Das armenische Protokoll sieht für Staatsbesuche die Beglückung der Gäste mit erotischen Dienstleistungen vor – nicht jeder Staatsgast sagt ja, aber jeder bekommt es angeboten, berichtet einer, der dabei war. Er will ungenannt bleiben – verständlich. Geschrieben hat über die armenische Sex-Diplomatie übrigens noch niemand.

Macht nix. Irgendwann kommt immer alles `raus.

Vugar Seyidov

Berlin, AZERTAC

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