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Mäuse vererben schlechte Erinnerungen

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Baku, den 3. Dezember (AZERTAG). Angst setzt sich nicht nur im Gedächtnis fest, sondern auch in den Genen. Experimente mit Mäusen zeigen, dass die schlechten Erfahrungen so über Generationen weiter vererbt werden. Die Angst-Gene verändern das Gehirn und sorgen für mulmige Gefühle.

Erfahrungen können zum Teil an die Nachkommen vererbt werden - zumindest bei Mäusen. Forscher zeigten das am Beispiel von Gerüchen, die Gefahr signalisieren. Noch die Enkelkinder reagierten auf einen bestimmten Geruch mit Angst, wenn ihre Großväter damit schlechte Erfahrungen gemacht hatten. Die Mäuse können auf diese Weise ihren Nachwuchs über die Umwelt informieren, in der sie aufwachsen werden, schreiben die Forscher im Fachblatt „Nature Neuroscience“. Die angstvollen Erfahrungen veränderten unter anderem die Gene in den Samenzellen und würden auf diese Weise weitergegeben.

Brian Dias und Kerry Ressler von der Emory University School of Medicine in Atlanta (Georgia) hatten Mäuse einem Kirschblüten-Duft ausgesetzt und ihnen dabei kleine Elektroschocks verabreicht. So lernten die Mäuse, den Duft zu fürchten. Erst dann ließen sie die Mäuse Nachkommen zeugen. Auch diese Tiere - und sogar deren spätere Nachkommen - reagierten auf den Kirschblüten-Duft mit einem ängstlichen Verhalten.

Weitere Untersuchungen zeigten, dass bei den Mäusen der ersten Generation und ihren Nachkommen die Struktur bestimmter Hirnregionen verändert war, und zwar solcher Regionen, die an der Verarbeitung von Gerüchen beteiligt sind. Die Wissenschaftler führten schließlich mit dem Sperma der Großväter eine künstliche Befruchtung durch. Auch in diesem Fall bekam der Nachwuchs die Kirschblüten-Angst vererbt und zeigte die zuvor beobachteten Veränderungen im Gehirn.

Dufterkennung im Genom freigelegt - Dies bestätigte die Annahme der Forscher, dass die Erfahrungen tatsächlich auch auf biologischem Weg vererbt werden. Sie fanden dann auch an einem Gen im Sperma der Mäuse sogenannte epigenetische Veränderungen. Das sind chemische Modifizierungen an den eigentlichen Genbausteinen, zum Beispiel durch das Anhängen einer Methylgruppe. Dadurch kann die Aktivität eines Gens verändert werden.

Die Forscher stellten fest, dass ein Gen zur Erkennung von Düften bei den Großvätern und ihren Kindern deutlich weniger methyliert war als üblich. Auf diese Weise werde die Erfahrung an die nächste Generation weitergereicht. Auf welchem Weg die angstvollen Duft-Informationen an das Sperma weitergegeben und verschlüsselt würden, sei aber noch unklar, schreiben die Forscher.

Ihre Untersuchung erlaube einen Einblick in die Frage, wie die Erfahrungen von Eltern Struktur und Funktion des Nervensystems ihrer Nachkommen verändern - und zwar schon, bevor sie überhaupt ein Kind gezeugt haben. Dies sei auch beim Menschen wichtig - etwa bei Erkrankungen wie Phobien, Angststörungen oder posttraumatischen Belastungsstörungen.

 

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