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Mehr als 200 Tote bei Grubenunglück in der Türkei

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Baku, den 14. Mai (AZERTAG). Bei einer Explosion in einem türkischen Kohlebergwerk sind mindestens 200 Kumpel getötet worden. Mehr als 400 sind in 2000 Metern Tiefe eingesperrt. Ein Arbeiter erhebt Vorwürfe gegen den Betreiber.

Bei der Explosion und einem anschließenden Brand in einem Kohlebergwerk in der Westtürkei sind nach jüngsten offiziellen Angaben mehr als 200 Kumpel ums Leben gekommen. „201 Beschäftigte sind tot“, sagte Energieminister Taner Yildiz am Mittwochmorgen in Soma etwa 250 Kilometer südwestlich von Istanbul. Es seien noch deutlich mehr Opfer zu befürchten.

Mehr als 300 weitere Bergleute seien noch verschüttet und ihre Bergung sei „ein Wettlauf gegen die Zeit“, sagte Yildiz. Als sich die Explosion in der Grube ereignete, seien 787 Menschen unter Tage gewesen. Nach seinen Angaben konnten mehr als 200 Bergleute geborgen worden, darunter vier Schwerverletzte.

Der Bürgermeister der Provinz Manisa, Cengiz Ergün, hatte die Zahl der Todesopfer am späten Abend mit 157 angegeben. Auch nach seinen Angaben stecken noch hunderte Bergleute fest.

Nach der Explosion, hinter der ein defekter Trafo vermutet wird, kam es zu einem Feuer. Die meisten Bergleute stecken in 2000 Metern Tiefe etwa vier Kilometer vom Eingang der Grube entfernt fest.

„Der Geschäftsführung geht es nur ums Geld“ - Die Rettungskräfte versuchen nun, Atemluft in den Schacht zu blasen. Aus Sicherheitskreisen vor Ort verlautete, es hätten sich zwei Luftblasen gebildet. Zu der einen hätten die Bergungskräfte Zugang. In der anderen seien die Kumpel aber von jeder Hilfe abgeschnitten.

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sagte eine geplante Reise nach Albanien ab und wollte am Mittwochmorgen am Unglücksort eintreffen. Er drückte den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.

Das türkische Ministerium für Arbeit und soziale Sicherheit erklärte, die Grube sei zuletzt am 17. März auf Sicherheitsmängel untersucht worden und es habe keine Beanstandungen gegeben. Der Bergmann Oktay Berrin sagte dagegen: „Es gibt in diesem Bergwerk keine Sicherheit. Die Gewerkschaften sind Marionetten, und die Geschäftsführung kümmert sich nur ums Geld.“

Der Bergwerksbetreiber Soma Komur erklärte, der „tragische Unfall“ habe sich „trotz höchster Sicherheitsmaßnahmen“ zugetragen.

Grubenunglücke sind in der Türkei keine Seltenheit. Mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen sowie fehlende Kontrollen in Bergwerksbetrieben haben in den vergangenen Jahren immer wieder zu schweren Unglücken beigetragen.

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