GESELLSCHAFT


Mehr als 20 Tote nach Pestausbruch

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Baku, den 11. Dezember (AZERTAG). Mit Antibiotika lässt sich eine Pestinfektion normalerweise gut behandeln. Doch im Norden der Tropeninsel Madagaskar ist moderne Medizin oft weit entfernt. Und genau dort wütet gerade eine Pestepidemie. Innerhalb weniger Tage kostete sie schon 20 Menschen das Leben.

Das Problem ist nicht neu: Um die 500 Fälle von Pestinfektionen gibt es auf der Tropeninsel Madagaskar in jedem Jahr seit 2009. Vor allem der abgelegene Norden der Insel ist immer wieder betroffen. Und genau dort gibt es jetzt wieder massive Probleme: „Bisher haben wir wegen der Lungenpest im Bezirk Mandritsara 21 Opfer gezählt“, sagte Herlyne Ramihantaniarivo, Mitarbeiterin des Gesundheitsministeriums, am Mittwoch. Seit September seien insgesamt 36 Menschen in vier verschiedenen Bezirken an der Infektionskrankheit gestorben.

„Das Problem in Mandritsara besteht darin, dass sich die Leute dort zunächst mit traditioneller Medizin beholfen haben“, erklärte Ramihantaniarivo. Wegen der unangemessenen Behandlung und späten Erkennung der Krankheit habe sich die zunächst in der Region vorherrschende Beulenpest in die tückischere Lungenpest gewandelt, hieß es weiter.

Ratten flüchten in der Regenzeit - Die Pest wird von Rattenflöhen auf den Menschen übertragen. Gerade in der Regenzeit zwischen November und April flüchten unzählige Nager in die Dörfer und Städte Madagaskars. Das Rote Kreuz hat unter anderem die überbelegten Gefängnisse Madagaskars, darunter die Haftanstalt Antanimora in der Hauptstadt, als Teil des Problems ausgemacht.

Der Erreger, das Bakterium Yersinia pestis, kann bei einer Beulenpest über die Blutbahn in die Lunge geraten. Symptome der Lungenpest sind hohes Fieber, Kopfschmerzen, Atemnot, Husten und schwarz-blutiger Auswurf. Später entwickelt sich ein Lungenödem, und es kommt zum Kreislaufversagen.

Bei der Beulenpest sind die Lymphknoten befallen, sie wird in der Regel aber nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Als hochinfektiös gelten lediglich Körperflüssigkeiten. Die Lungenpest hingegen breitet sich auch auf direktem Weg durch Tröpfcheninfektion aus.

Unbehandelt führt die Infektion nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in 30 bis 60 Prozent der Fälle zum Tode. Bei einer Antibiotikatherapie reduziert sich die Sterblichkeit laut WHO auf 15 Prozent. Allerdings sind auf Madagaskar in der Vergangenheit Stämme des Pesterregers aufgetreten, die gegen Antibiotika resistent waren.

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