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Menschliche Gesundheit sei durch die radioaktiven Teilchen nicht bedroht

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Baku, den 9. Januar (AZERTAG). Radioaktive Stoffe überleben bis zu 1,7 Jahre in höheren Luftschichten, dachten Wissenschaftler bislang. Jetzt fanden Forscher Partikel aus Atomwaffentests der frühen 60er-Jahre in der Stratosphäre

In höheren Schichten der Atmosphäre sind mehr radioaktive Teilchen vorhanden als bisher angenommen. Sie stammen hauptsächlich von Atomwaffentests der 1950er und frühen 1960er Jahre. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Schweizer Bundesamtes für Bevölkerungsschutz, die in „Nature Communications“ veröffentlicht wurde. Zugleich stellen die Autoren um José Corcho Alvarado die Hypothese auf, dass die radioaktiven Partikel durch Vulkanausbrüche auch in tiefere Luftschichten gelangen können.

Bisher hielt die Wissenschaft die Konzentration radioaktiver Stoffe in höheren Luftschichten für vernachlässigbar, schreiben die Autoren. Die durchschnittliche Verweildauer von Plutonium in der Stratosphäre – oberhalb der bodennahen Troposphäre – sei mit 1 bis 1,7 Jahren angegeben worden.

Corcho Alvarado und Kollegen ermittelten aus Messreihen der vergangenen vier Jahrzehnte über der Schweiz einen durchschnittlichen Verbleib von 2,5 bis 5 Jahren. Zwar sei die Konzentration von Plutonium in der Stratosphäre um das 100-Fache geringer als noch 1974, aber um das 100.000-Fache höher als im Bereich nahe des Erdbodens. Bei Cäsium sei der aktuelle Wert 1000-fach so hoch wie in Bodennähe. Die Autoren der Studie erklären die höheren Konzentrationen damit, dass die Stratosphäre durch Temperaturunterschiede stark geschichtet ist und die Partikel kaum in höhere oder tiefere Luftschichten gelangen können. Während sich radioaktive Teilchen in der Troposphäre bald an Regentropfen bänden oder sich auf Feststoffen absetzten, sei dies in der Stratosphäre nicht möglich. Unterschätzt habe man bisher auch die geringe Größe der radioaktiven Partikel, die meist bei unter 0,1 Mikrometer (Tausendstel Millimeter) liege.

Mithilfe eines Messverfahrens, das die Konzentration verschiedener radioaktiver Isotope misst, bestimmten die Forscher das Alter der radioaktiven Partikel. Demnach stammen sie überwiegend aus der Zeit vor dem Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre von 1963. Auch der plutoniumgetriebene „SNAP-9A“-Satellit, der 1964 in der Atmosphäre verglühte, habe einen Beitrag zu den heute noch vorhandenen radioaktiven Teilchen in der Stratosphäre geleistet.

Unter normalen Bedingungen können Teilchen aus der Stratosphäre nicht in die erdnahe Troposphäre gelangen. Während des Ausbruchs des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull im April 2010 maßen die Forscher jedoch in der Aschewolke im obersten Bereich der Troposphäre gleiche Konzentrationen verschiedener Plutoniumisotope wie in der Stratosphäre.

Ihre Erklärung: Der Vulkan schleuderte Asche und Eis, mit dem er vor dem Ausbruch bedeckt war, bis in die Stratosphäre. Dort banden sich Plutoniumpartikel an Asche und Eis und gelangten beim Herabsinken in die Troposphäre.

Die menschliche Gesundheit sei durch die radioaktiven Teilchen nicht bedroht, heißt es in einer Pressemitteilung zur Studie, da die Konzentrationen sehr gering seien.

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