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Mexikaner sind genetisch extrem unterschiedlich

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Baku, den 17. Juni (AZERTAG). Genetische Unterschiede wie zwischen Europäern und Chinesen – Mexikaner haben enorm unterschiedliches Erbgut. Das überrascht die Wissenschaft – und könnte sogar Folgen für die Gesundheit haben.

Die Mexikaner sind ein buntes Völkchen – genetisch betrachtet. Die Unterschiede zwischen einigen von ihnen seien so groß wie zwischen Europäern und Asiaten, berichten US-Forscher im Fachmagazin „Science“. Dies spiegele die Hunderte bis Tausende Jahre währende Isolation einzelner Populationen wider.

Die Forscher um Andrés Moreno-Estrada von der Stanford University (US-Staat Kalifornien) untersuchten das Erbgut von mehr als 1000 Menschen mexikanischer Herkunft.

Dazu zählten Vertreter 20 indigener und elf ethnisch gemischter Populationen mit mexikanischen, europäischen und afrikanischen Vorfahren – sogenannte Mestizen. Berücksichtigt wurden fast eine Million winzige Abweichungen im Aufbau der DNA, Single Nucleotide Polymorphism genannt.

Die Forscher fanden heraus, dass sich die indigene Bevölkerung Mexikos genetisch entlang einer Achse von Nordwest nach Südost aufspaltet. Je weiter die Populationen räumlich voneinander entfernt lagen, desto stärker unterschied sich ihr Erbgut. So waren die Unterschiede zwischen den Seri an der Nordküste des Golfs von Kalifornien und den Lacandon im Süden des Landes etwa so groß wie zwischen Europäern und Chinesen.

Typisch spanische genetische Merkmale - Bei den Menschen ethnisch gemischter Herkunft fanden die Forscher erwartungsgemäß Kennzeichen der jeweiligen Vorfahren im Erbgut. In Übereinstimmung mit der Geschichte der spanischen Eroberung Mexikos gab es bei einigen Untersuchten genetische Merkmale, die typisch für Spanier auf dem europäischen Festland sind.

Das Team fand aber auch Merkmale der mexikanischen Vorfahren – und zwar jeweils entsprechend der regionalen Herkunft innerhalb des Landes.

„Wir waren wirklich fasziniert von diesem Ergebnis, weil wir erwartet hatten, dass 500 Jahre Völkerwanderung, Immigration und Durchmischung das Signal der vorkolumbianischen Bevölkerungsstruktur ausgelöscht hätten“, wird Studienleiter Carlos Bustamante von der Stanford-Universität in einer Mitteilung zitiert.

Die Forscher belegten in weiteren Analysen, dass die genetischen Unterschiede Auswirkungen auf gesundheitliche und gesundheitspolitische Fragestellungen haben. Sie zeigten beispielsweise, dass sich die Lungenfunktionen bei Mexikanern unterschiedlicher Herkunft erheblich unterscheiden können.

Folgen für die Gesundheit - In einem Lungenfunktionstest erreichte zum Beispiel ein Mann aus dem Westen Mexikos deutlich schlechtere Werte als ein gleichaltriger Mann aus dem Süden des Landes. Nach den gegenwärtigen Standardwerten erscheine er dadurch zehn Jahre älter als er eigentlich sei – obwohl seine Lungenfunktion nicht krankhaft verschlechtert sei.

Ohne Berücksichtigung der genetischen Eigenheiten werde der Mann möglicherweise zu Unrecht als krank und behandlungsbedürftig eingestuft.

„Für Tausende Jahre gab es eine immense sprachliche und kulturelle Vielfalt innerhalb des Landes, mit dem Maya- oder Azteken-Reich einerseits und isolierten kleinen Populationen andererseits“, sagt Christopher Gignoux von der Stanford-Universität.

„Wir konnten diese Vielfalt nicht nur quer über das Land messen, sondern konnten auch eine gewaltige genetische Diversität feststellen, die abhängig von der genauen Herkunft der Vorfahren in Mexiko Folgen für die Gesundheit hat.“ Die Abstammung müsse bei medizinischen Fragestellungen stärker berücksichtigt werden.

 

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