GESELLSCHAFT


Mit Hilfe eines Tauchroboters werden die Meere erforscht

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Baku, den 10. August (AZERTAG). Schwimmende Roboter haben erstmals alleine den Pazifik durchquert. Nun fischen 200 von ihnen auf den Meeren nach Daten. Die große Reise beginnt am 17. November 2011 in der Bucht von San Francisco. Vier kleine Schwimmgeräte, sie sehen aus wie Surfbretter, werden in der Nachmittagssonne von einem Schiff aus ins Wasser gelassen. Sie machen sich auf den Weg, den Pazifik zu überqueren. Von da an sind die Wellengleiter, Wave Glider, wie ihr Erfinder, der Ingenieur Roger Hine, sie getauft hat, mehr als ein Jahr lang Tag und Nacht auf dem Meer. Sie kämpfen gegen heftige Stürme und mehr als zehn Meter hohe Wellen, sie überleben Angriffe von Haien und durchqueren ein fast 2.000 Kilometer langes Planktonfeld. Immer wieder stemmen sie sich gegen Strömungen, autonom mit GPS navigierend.

Ein Wave Glider ist langsam, aber ausdauernd. Die Drohne besteht aus einer Art Planke mit Solarzellen und Messinstrumenten, die auf der Wasseroberfläche schwimmt. Ein paar Meter darunter hängt ein langer Stab, von dem seitwärts mehrere flache, bewegliche Finnen abstehen, die jeden Wellenschlag in eine Vorwärtsbewegung verwandeln – kurze Steuerimpulse geben die Richtung vor. Theoretisch kann ein Wave Glider jahrelang auf dem Meer bleiben. Manchmal kommt er fast gar nicht voran, und selbst wenn es gut läuft, ist er kaum schneller als ein im Wasser schwimmender Mensch.

Aber am Ende erreichen die vier Glider ihr Ziel, zwei von ihnen in Australien, zwei in Japan. Der Wave Glider „Papa Mau“ gelangt am 6. Dezember 2012, nach mehr als einem Jahr, als erster wie geplant zur Ostküste Australiens, nahe dem kleinen Ort Bundaberg, 300 Kilometer nördlich von Brisbane. Am 14. Februar trifft hier auch „Benjamin Franklin“ ein, er hat einen Weg von 14.703 Kilometern hinter sich gebracht und damit einen Rekord aufgestellt.

Kein anderes unbemanntes Fahrzeug zu Lande und zu Wasser ist jemals so weit gekommen. Von ihrer Reise haben die Wave Glider auch etwas mitgebracht: Fotos von der Wasseroberfläche, Daten über die Wellenhöhen und die Wassertiefe und -temperatur, den Kohlendioxidanteil und den anderer Substanzen im Meerwasser sowie Aufnahmen der Geräusche unter Wasser. Mehrmals täglich haben die Sensoren und Kameras an Bord den Ozean vermessen.

Als die Herstellerfirma der Wave Glider, Liquid Robotics, die gesammelten Daten der Pazifiküberquerung frei ins Netz gestellt hat, haben Forscher aus der ganzen Welt zugegriffen. Denn solche Daten – gerade in Regionen abseits der viel befahrenen Containerschiff-Wasserstraßen – können sonst nur mithilfe teurer Forschungsschiffe gesammelt werden, deren Betrieb jeden Tag mehrere Zehntausend Euro kostet. Ein Drohnen-Exemplar der dritten Generation kostet insgesamt nur 300.000 Euro, je nach Forschungsvorhaben lässt es sich mit entsprechend geeigneten Sensoren und Geräten bestücken. Während die Daten von der Pazifiküberquerung noch ausgewertet werden, sind in diesem Moment vermutlich einige Dutzend Wave Glider auf den Meeren unterwegs, um Informationen zu sammeln.

„Wir haben bisher mehr als 200 Wave Glider verkauft, die Tendenz ist stark steigend“, sagt Bill Vass, der Vorstandschef von Liquid Robotics. So hat die University of Mississippi etwa einen elektronischen Späher in den Golf von Mexiko geschickt, um dort engmaschig Daten über den Kohlendioxidgehalt, also über die Versauerung der Meere zu sammeln. Ein paar Hundert Kilometer entfernt hat man beim Office of Oceanic and Atmospheric Research (OAR) in Miami einen Wave Glider mit einer kompletten Wetterstation ausgestattet, damit er Hurrikans bei der Entstehung beobachtet.

„Darüber haben wir bisher nur wenige Informationen, weil es für Menschen natürlich extrem gefährlich ist, dort Daten zu sammeln“, sagt der Meteorologe Alan Leonardi vom OAR. An der Pazifikküste wiederum folgt ein Wave Glider weißen Haien, die die Forscher vorher mit kleinen Anhängern markiert haben, die akustische Signale aussenden – so will man das Verhalten der gefährdeten Art besser verstehen. In Deutschland hat das Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung inzwischen auch einen Wave Glider bestellt.

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