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Neue Zuchtregeln sollen den Tiger vorm Aussterben retten

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Baku, 27. Juni AZERTAC

Jeder darf ab jetzt mit jedem - zumindest fast. Neue Zuchtregeln sollen den Tiger vorm Aussterben retten.

Für den Tiger ist kaum Platz mehr auf der Erde. Wilderei und illegale Abholzung bedrohen die Art. Noch vor 100 Jahren lebten etwa 100.000 Tiger in den Wäldern Asiens. Heute sind es noch ungefähr 3400, verteilt auf einige Dutzend Gebiete von der indonesischen Insel Sumatra bis ins mehr als 10.000 Kilometer entfernte Sibirien. Drei Unterarten sind bereits ausgestorben.

Nun sind Forscher in der bisher umfassendsten Tigerarten-Analyse allerdings zu dem Schluss gekommen, dass es eigentlich nur zwei Unterarten gibt: einen indonesischen Inseltiger und einen Festlandtiger. Zuvor war man von neun ausgegangen. Die neue Aufteilung könnte entscheidend für den Erhalt des Tigers sein. Denn nun ist denkbar, die neun zum Teil stark dezimierten Untergruppen in Zucht-, Auswilderungs- und Umsiedlungsprogrammen zumindest teilweise zu vermischen.

200 Schädelknochen, über hundert Felle, zahlreiche genetische Merkmale und die Lebensräume der neun Tigergruppen haben Forscher um Andreas Wilting vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin (IZW) verglichen.

Die Daten zeigen, dass sich die drei kleinsten Tigerarten, der Balitiger, der Javatiger und der Sumatratiger zu einer Unterart zusammenfassen lassen. Laut Studie waren die Inseln Sumatra, Java und Bali während des letzten glazialen Maximums vor 10.000 Jahren miteinander verbunden, sodass sich die Unterarten heute kaum voneinander unterscheiden lassen. Die Forscher haben die neue Unterart Sunda-Tiger genannt.

„Den Sunda-Tiger zu erhalten, dürfte besonders schwierig werden“, sagt Wilting. Es gibt nur noch 400 Exemplare auf Sumatra. Auf Bali und Java sind sie seit Jahrzehnten ausgestorben. Zwar könnten Tiger aus Sumatra wieder auf Bali und Java ausgewildert werden, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Science Advances“. Tatsächlich ist der Lebensraum auf den Inseln dafür aber zu stark zerstört.

Hoffnung für den Südchinesischen Tiger - Größere Hoffnung gibt es für die anderen sechs Tigerarten, die die Forscher Festlandtiger nennen. Zu ihnen gehören etwa der stark bedrohte Indochinesische Tiger und der in freier Natur wohl ausgestorbene Südchinesische Tiger.

„Hier standen Tigerschützer bislang vor dem Dilemma, dass die Populationen für viele Schutzmaßnahmen schon zu stark dezimiert waren“, erklärt Wilting. Nun könnten die noch etwa 2500 Bengaltiger, auch bekannt als Königstiger, helfen, die südchinesische und indochinesische Population zu vergrößern. Auch Malaysische Tiger könnten eingekreuzt werden.

Nördlicher und südlicher Festlandtiger - Der Sibirische Tiger dagegen, die größte noch lebende Katze der Erde, kommt dafür nicht in Frage, obwohl er auch zu den Festlandtigern zählt. „Wir haben die Festland-Unterart für die Schutzprogramme noch mal in eine südliche und nördliche Population unterteilt“, erklärt Wilting. Die beiden Gruppen seien an zu unterschiedliche Bedingungen angepasst, um sie zu vermischen.

Während der Sibirische Tiger im Norden in Laub- und Nadelwäldern umherstreift und eisiger Kälte trotz, lebt die südliche Population in deutlich wärmeren Gebieten, oft im Dschungel. Hinzu kommt, dass Tiger aus dem Norden Chinas verschwunden sind, sodass sich Sibirischer und Südchinesischer Tiger über diese große Verbreitungslücke hinweg natürlicherweise nie begegnen würden.

Lücken beim Tigerschutz – „Eine Schlussfolgerung aus der Studie ist, dass die Bedrohung für einzelne Tigerunterarten sinkt, wenn mehr Tiger zu dieser Unterart gehören“, sagte Volker Homes, Leiter für den Bereich Artenschutz beim WWF. Dies darf seinen Worten zufolge aber nicht dazu führen, dass Staaten die Verantwortung an Nachbarn abschieben, weil dort genetisch ähnliche Tiger leben.

In einigen Ländern sei der Tigerschutz heute sehr gut, wie in Nepal, Indien und Russland. „Dort wächst die Anzahl der Tiger“, so Homes. Indonesien und Malaysia zählten ihre Großkatzen hingegen noch nicht einmal. „Wenn man nicht weiß, wie viele Tiger man hat, weiß man auch nicht, wie schnell die Bestände abnehmen“.

In Kambodscha, Laos und Vietnam seien die Tiere bereits weitgehend ausgestorben. Thailand und Burma hätten dagegen Potenzial, die Bestände schnell zu vergrößern.

2010 hatten sich Tiger-Länder verpflichtet, die Zahl der Tiere bis 2022 von etwa 3200 auf gut 6000 zu erhöhen. Ob die neue Unterteilung in drei Schutzgruppen in die Praxis übernommen wird, um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, ist noch unklar.

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