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Nofretete-Grab

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Baku, 3. Oktober, AZERTAC

Liegt hinter der Grabkammer Tutanchamuns die Gruft der legendären Königin Nofretete? Ein britischer Archäologe ist davon überzeugt. Beweise hat er trotz Inspektion im Tal der Könige noch keine. Nun plant er Radarmessungen.

Der britische Ägyptologe Nicholas Reeves ist nach Untersuchungen im Tal der Könige zuversichtlich, das unentdeckte Grab der geheimnisvollen ägyptischen Königin Nofretete zu finden. Reeves bekräftigte am Donnerstag nach einem Aufenthalt im Tal der Könige seine Theorie, dass sich bislang unentdeckte Räume in der weltberühmten Grabkammer des Pharaos Tutanchamun befinden.

Reeves vermutet hinter der Nordwand der Gruft den Sarkophag Nofretetes und fand bei der Inspektion nach eigener Aussage weitere Hinweise, die seine Theorie stützen und die Existenz weiterer Räume wahrscheinlich erscheinen lassen. „Radar- und Wärmebildaufnahmen sollten uns das zeigen“, sagte der Wissenschaftler in Kairo.

Auch der ägyptische Minister für Altertümer Mamduch al-Damati zeigte sich hoffnungsvoll: „Ich stimme mit Reeves überein, dass wir hinter der Wand etwas finden werden. Eine Grabkammer oder etwas anderes.“

Wann die Messungen stattfinden sollen, blieb zunächst unklar. Damati sagte, zunächst müssten notwendige Genehmigungen eingeholt werden. Er hoffe, diese lägen bis November vor. In einem Interview der staatlichen Nachrichtenseite „Al-Ahram“ sagte Reeves, es gebe Gespräche mit einem japanischen Experten für Radartechnik, der die schwierigen Messungen durchführen könnte.

Verdächtige Linien auf hochauflösenden Fotos - Reeves hatte im August mit einem Aufsatz über Auffälligkeiten in der Grabkammer des Kindkönigs Tutanchamun (um 1330 vor Christus) für Aufsehen gesorgt. Der Archäologe hatte sich über den ungewöhnlichen Bauplan von Tutanchamuns Grabkammer sowie Ungereimtheiten in den Wandgemälden und bei den Grabbeigaben gewundert. So entstand seine Hypothese, dass hinter dem Grab des Pharao die Grabkammer Nofretetes liegt.

Dass es gerade Nofretete sei, die sich hinter der Nordwand der Kammer verbergen soll, erklärt Reeves unter anderem mit der Verbindung zwischen ihr und Tutanchamun. Nofretete war dessen Stiefmutter und - in Reeves Theorie - gleichzeitig seine Vorgängerin als Pharaonin.

Wenn Reeves das Grab der Nofretete wirklich finden sollte, wäre dies eine der größten Sensationen in der Archäologiegeschichte. Die weltbekannte Büste der schönen Nofretete, die 1912 entdeckt wurde, ist auf der Museumsinsel in Berlin ausgestellt.

„Vielleicht hat das ja alles eine Bedeutung“ - Der Ägyptologe erinnert sich genau an den Moment, als ihm erstmals der Verdacht kam. „Das war im Februar 2014“, schildert er im Gespräch mit. Er studierte die hochauflösenden Fotografien der Wandmalereien und der Oberflächenstruktur einer Kammer des Tutanchamun-Grabs von der Madrider Firma Factum Arte. Die Auflösung der Bilder ist deutlich besser als von allen früheren Fotos, wodurch jeder Pinselstrich erkennbar ist. „Ich habe sie mir nur bewundernd angeschaut, ohne nach etwas Bestimmtem zu suchen - und dann habe ich diese Linien gesehen.“

Die Linien entpuppten sich als feine Absätze, die deutlicher werden, wenn man die Farbe weglässt und sich auf die Oberflächenstruktur der Wand konzentriert. Je genauer Reeves hinschaute, desto deutlicher formten diese Linien die Umrisse zweier Durchgänge. Einer liegt an der Westwand der Kammer, seine Maße entsprechen denen des Durchgangs im Vorzimmer der Grabanlage zu einem Nebenraum. Ein weiterer Durchgang liegt nach Reeves' Angaben an der Nordwand. Auch der hat seine Entsprechung an einer anderen Wand, seine westliche Seite liegt genau in der Fortsetzung der Westwand des Vorzimmers. „Als ich die Maße verglich, dachte ich. Vielleicht hat das ja alles eine Bedeutung.“

Weitere Belege für seine These fand Reeves in den Gemälden der Kammer. Die Gesichter der Figuren haben beispielsweise tiefe Mundwinkelfalten - ein Zug, der sonst vor allem von den späten Porträts der Nofretete bekannt ist.

Andere Fachleute halten die These von der unentdeckten Kammer für plausibel. Ute Rummel vom Deutschen Archäologischen Institut in Kairo findet Reeves' Argumentation „schlüssig“. Letztendlich müsse man mit nicht-invasiven Methoden klären, ob es sich bei den entdeckten Linien tatsächlich um Türdurchgänge handle. Genau das soll jetzt passieren.

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