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Offshore-Windparks fördern die Artenvielfalt

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Baku, den 30. Oktober (AZERTAG). Es ist ein einigermaßen verblüffendes Ergebnis. Nach einer Studie des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie können Windparks vor den deutschen Küsten durchaus ökologische Vorteile bringen. Die Daten stammen aus der Testanlage „Alpha Ventus“.

Einst galten die riesigen Windräder als wichtiger Baustein für die Energiewende - doch der Ausbau von Windparks vor den deutschen Küsten kommt nicht voran, unter anderem wegen der komplizierten und vor allem teuren Anbindung an das Stromnetz an Land. Auch über die ökologischen Folgen der Anlagen war lange Zeit diskutiert worden. Meucheln die Rotoren große Mengen an Seevögeln? Vergraulen die Anlagen Meeressäuger wie etwa Schweinswale?

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hat nun eine Untersuchung vorgestellt, wonach die Windparks der Artenvielfalt durchaus zugutekommen können. Die Fundamente der Windturbinen bildeten „künstliche Riffe“, an denen sich Muscheln, Seesterne, Seeanemonen, Seelilien sowie Fische wie Makrele und Seebull ansiedelten, so das Fazit der Behörde.

Auch sei die Gefahr für Seevögel viel geringer als befürchtet. Diese gerieten nur selten in die großen Windräder. „Die Bewegungen und Beleuchtungen der Windenergieanlagen scheinen die Vögel zu verscheuchen. Das senkt das Kollisionsrisiko erheblich“, erklärte das BSH.

Außerdem würden die Zugvögel breitflächig ohne besondere Zugstraßen über die Nordsee fliegen, weil sie nicht an Rastplätze oder thermische Gegebenheiten gebunden seien. Bei normalem Wetter habe es überhaupt keine Zusammenstöße gegeben. Ungeklärt sei allerdings noch die Gefahr bei schwierigen Wetterlagen, die für die Tiere unerwartet kommen.

Neuer Standard definiert - Für die Untersuchung erforschten Wissenschaftler die Vorgänge rund um den Windpark „Alpha Ventus“ 45 Kilometer vor der Insel Borkum. Er wurde 2010 als erster in Deutschland in Betrieb genommen. Bei dem aufwendigen, vom Bundesumweltministerium mit 7,8 Millionen Euro geförderten Forschungsprojekt kamen unter anderem auch neuartige Methoden wie Fischecholote und digitale Bilderfassungssysteme zum Einsatz, bei denen eine Software die Vogelbewegungen analysierte.

Keinerlei Auswirkungen zeigte der Betrieb des Windparks den Angaben zufolge auch auf streng geschützte Meeressäuger wie den Schweinswal. Die Tiere mieden den Bereich allerdings während der lauten Rammarbeiten in der Bauphase - und zogen sich 15 bis 20 Kilometer weit zurück. Wie schnell die Tiere dann zurückkehren, hängt von der Länge der Bauarbeiten ab. Die Behörde hat inzwischen einen verbindlichen Lärmgrenzwert für den Unterwasserbereich definiert, den der Windparkbetreiber einhalten muss.

Die Fundamente von Windparks gelten in Fachkreisen schon länger als potentielle neue Biotope für Meeresorganismen. Unter anderem läuft ein Projekt des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) zur Ansiedlung von Hummern zwischen den Windturbinen des Windparks „Riffgat“ vor Borkum.

Nach den Planungen der Bundesregierung sollen bis 2030 Turbinenfelder mit einer Gesamtleistung von 25.000 Megawatt errichtet werden. Das BSH ist für die Genehmigung zuständig und kümmert sich dabei unter anderem um Umweltschutzbelange. Auf Basis der nun vorgestellten Untersuchungsergebnisse legt die Behörde einen Standard fest („StUK4“), der für die Erbauer von Offshore-Windenergieanlagen in Zukunft verbindlich ist.

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