GESELLSCHAFT


Omega-3-Fettsäuren helfen gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Entzündungen

A+ A

Baku, den 25. Januar (AZERTAG). Ob in Supermärkten oder Drogerien - beim Streifzug durch die Regale begegnen einem immer öfter Omega-3-Kapseln oder vergleichbare Fischölkonzentrate. Sie sind reich an Omega-3-Fettsäuren, die gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Entzündungen helfen sollen.

Außerdem werden ihnen positive Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung und den Intelligenzquotienten bei Kindern nachgesagt. In der Hoffnung, dass sich ihr Nachwuchs zu einem kleinen Einstein entwickelt, greifen viele Frauen daher schon während der Schwangerschaft zu den goldenen Dragees. Doch lohnt sich der Griff ins Regal tatsächlich?

Omega-3-Fettsäuren zählen zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Die drei wichtigsten Vertreter sind: Alpha-Linolensäure (ALA), die ausschließlich in pflanzlichen Fettquellen wie Soja-, Walnuss-, Raps- oder Leinöl vorkommt, sowie Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) aus fettreichen Fischsorten wie Hering, Makrele oder Lachs.

Sie erfüllen eine Vielzahl wichtiger Funktionen, können vom Körper jedoch nicht selbst aufgebaut werden. Ihr Bedarf muss daher über die Ernährung gedeckt werden. Frei nach der Devise „Viel hilft viel“ preisen deshalb viele Hersteller die Nahrungsergänzungsmittel insbesondere den Fisch-Verschmähern als Alternative an.

Forscher konnten bereits eine Reihe positiver Eigenschaften der Omega-3-Fettsäuren auf die Gesundheit ausmachen. Die Fettbestandteile verbessern die Fließeigenschaften des Blutes, ihre Abbauprodukte wirken entzündungshemmend. Daneben senken sie den Triglycerid- und LDL-Cholesterinspiegel im Blut, was wiederum das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arteriosklerose oder Bluthochdruck senkt.

Tatsächlich konnten diese positiven Effekte der Säuren in mehreren großen Studien nachgewiesen werden. So belegt der „Gissi-Prevention-Trial“ die schützende Wirkung von Omega-3-Konzentraten bei Patienten, die erste Symptome einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zeigten. Die Studien zeigen, dass sich Fisch, Fischöl oder Omega-3-Fettsäuren im Frühstadium von Herz-Kreislauf-Beschwerden günstig auswirken können und empfiehlt daher den Verzehr von ein- bis zweimal wöchentlich Fisch sowie die Aufnahme von DHA und EPA in Höhe von 250 Milligramm pro Tag.

Auf der anderen Seite konnten südkoreanische Forscher in einer 2012 veröffentlichen Studie mit ähnlichen Patienten keinen Schutz durch die Fischölkapseln nachweisen. Sang Mi Kwak und sein Team fassten 14 Studien zusammen, in denen den Teilnehmern Omega-3-Kapseln verabreicht wurden. Das Ergebnis: Die Nahrungsergänzungsmittel halfen nicht.

Obwohl bemerkenswert viele Studien zu Omega-3-Fettsäuren publiziert wurden, ist die Datenlage nicht eindeutig. Viele Studien wurden mit Teilnehmern durchgeführt, die bereits ein hohes Risiko für Erkrankungen der Herzkranzgefäße aufwiesen. Bei einigen dieser Studien kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Ergebnisse verzerrt sind, weil die Patienten bereits medikamentös behandelt wurden.

Sicher ist aber, dass die Omega-3-Fettsäuren die Konzentrationen von Triglyceriden im Blut und damit einen Risikofaktor für Koronare Herzerkrankungen senken. „Es ist also nicht auszuschließen, dass eine Therapie mit Omega-3-Fettsäuren tatsächlich vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützt. Derweil wird ein übermäßiger Konsum von Omega-3-Fettsäuren mit Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall oder Übelkeit in Verbindung gebracht.

Unterschiede zwischen den Fettsäuren aus Lebensmitteln und denen aus Kapseln gibt es wahrscheinlich keine, „zumal viele Kapseln direkt Fischöl enthalten“.

Der regelmäßige Fischverzehr empfiehlt sich jedoch auch aufgrund anderer Inhaltsstoffe wie Eiweiß, Vitamin D und A sowie wichtiger Mineralstoffe wie Iod. Wer mehr Fisch isst, isst zudem weniger andere proteinreiche Lebensmittel, die ungünstig sein können, wie rotes Fleisch.

In der jüngsten Vergangenheit wurde außerdem der Zusammenhang zwischen Omega-3-Fettsäuren und demenziellen Erkrankungen wie Alzheimer diskutiert. Ein hoher EPA- und DHA-Spiegel senkt demnach möglicherweise das Risiko einer Demenz. Eine aktuelle Studie im Fachmagazin „Neurology“ hat diese Annahme jetzt untermauert.

Dafür untersuchten US-Forscher 1.111 Frauen im Alter von 65 bis 80 Jahren über einen Zeitraum von acht Jahren. Die Ergebnisse legen nahe, dass höhere EPA- und DHA-Konzentrationen mit einem größeren Gehirnvolumen korrelieren. Ein reduziertes Gehirnvolumen ist ein wichtiger Faktor bei der Entwicklung von Alzheimer. Bis zu einer sicheren Aussage müssen allerdings noch die Ergebnisse weiterer Studien abgewartet werden.

Vieles spricht für den schützenden Effekt von Omega-3-Fettsäuren bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Experten empfehlen, möglichst zweimal pro Woche Fisch zu essen oder auf pflanzliche Lieferanten wie Walnussöl zurückzugreifen. Stichhaltige Belege für den Nutzen von Fischöl-Kapseln fehlen bisher jedoch.

© Jede Verwendung von Materialien muss durch den Hyperlink kenntlich gemacht werden

KONTAKT MIT DEM AUTOR

Füllen Sie die erforderlichen Stellen mit Zeichen* aus

Bitte geben Sie die Buchstaben wie oben gezeigt ein.
Egal, ob die Buchstaben groß oder klein sind