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Pestizide seien „zwei bis tausend Mal giftiger“ als von den Herstellern angegeben

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Baku, den 31. Januar (AZERTAG). Der französische Forscher, der im September 2012 mit einer Genmais- und Pestizid-Studie für Aufregung sorgte, legt nach: Pestizide seien bis zu tausend Mal giftiger als von den Herstellern angegeben.

Der Autor einer umstrittenen Genmais- und Pestizid-Studie hat nach einer weiteren Untersuchung einer angeblich sehr hohen Giftigkeit von Pflanzenschutzmitteln angeprangert.

Die untersuchten Pestizide seien „zwei bis tausend Mal giftiger“ als von den Herstellern angegeben, sagte der französische Wissenschaftler Gilles-Eric Séralini. Eine entsprechende Studie veröffentlichte der Professor der Universität Caen kürzlich im Fachblatt „Biomed Research International“.

Séralini und seine Kollegen untersuchten neun Pestizide – darunter das Herbizid Roundup des US-Konzerns Monsanto – im Reagenzglas und prüften deren Auswirkung auf menschliche Zellen.

Die Zellen hätten beim Kontakt mit den Pestiziden „Selbstmord“ begangen, sagte der Forscher. Acht der neun Pestizide seien „im Schnitt Hunderte Male giftiger als ihr Hauptwirkstoff“.

Lediglich die Hauptwirkstoffe von Pestiziden würden im Labor mittel- und langfristigen Tests unterzogen, sagte Séralini. Die Zusatzstoffe dagegen würden von den Herstellern „geheim“ gehalten.

Für die Angaben zur Giftigkeit eines Pestizids ist der Hauptwirkstoff ausschlaggebend. Pestizide, wie sie an Landwirte und Gärtner verkauft würden, seien „zwei bis tausend Mal giftiger“ als der Hauptwirkstoff für sich alleine genommen, sagte Séralini.

Séralini hatte mit seiner im September 2012 im Fachblatt „Food and Chemical Toxicology“ veröffentlichten Studie zum Genmais NK603 und zum Herbizid Roundup für Aufregung gesorgt.

Für die Studie wurden Ratten mit unbehandeltem Genmais der Sorte NK603 gefüttert, eine zweite Gruppe ebenfalls mit Genmais der Sorte NK603, der jedoch zuvor mit dem Pestizid Roundup behandelt wurde. Eine dritte Gruppe erhielt herkömmlichen Mais.

Der Studie zufolge sind die mit Genmais ernährten Ratten deutlich früher gestorben als die anderen. 17 Monate nach Beginn der Untersuchung seien von den mit Genmais gefütterten Ratten fünf Mal mehr Tiere tot gewesen als in der Vergleichsgruppe.

Die meisten Weibchen erkrankten der Studie zufolge an Brustkrebs, die Männchen häufig an Haut- oder Nierentumoren. Mit der gentechnischen Manipulation werden Maissorten hergestellt, die Pestizide tolerieren oder sogar eigene Pestizide herstellen.

Nach heftiger Kritik an der Studie zog das Fachblatt „Food and chemical toxicology“ die Veröffentlichung vergangenes Jahr zurück. Unter anderem sprachen die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) der Studie die wissenschaftliche Sorgfalt ab.

Die Experten bemängelten, dass für die Studie zu wenige Versuchstiere verwendet wurden. Außerdem habe Séralini fehlende Daten nicht nachgereicht. Der erste negative Eindruck habe sich bestätigt. Die Schlussfolgerungen des französischen Forschers seien aufgrund des Studiendesigns, der Präsentation und der Interpretation der Ergebnisse wissenschaftlich nicht fundiert.

Séralini wies die Kritik zurück und hielt Behörden und Instituten vor, sich von der Agrarindustrie-Lobby beeinflussen zu lassen.

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