WELT


Proteste gegen Regierung in Venezuela

Baku, 13. April, AZERTAC 

In Venezuela sind Proteste gegen die Regierung von Präsident Nicolás Maduro erneut in tödliche Gewalt umgeschlagen. Bereits am Dienstagabend kamen beim Aufeinandertreffen von Oppositionellen und Maduro-Anhängern zwei Menschen ums Leben.

Ein 13-jähriger Junge und ein 36-jähriger Mann seien in der Stadt Barquisimeto im Westen des Landes erschossen worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Damit stieg die Zahl der Todesopfer bei den seit einer Woche andauernden Protesten auf vier.

Mit ein Auslöser für die schweren Krawalle war ein Besuch Maduros in der Ortschaft San Félix im armen Bundesstaat Bolivar. Das Staatsfernsehen zeigte Aufnahmen, in denen der Präsident in einem offenen Wagen durch die Menge gefahren wurde und winkte. Als Steine, Eier und Flaschen in Maduros Richtung flogen, brach die Übertragung plötzlich ab.

"Venezuela hasst deine korrupte Regierung" - Die venezolanische Opposition hatte den Angriff aufgebrachter Bürger auf den Präsidenten bejubelt. "Ganz Venezuela hasst dich und deine korrupte Regierung. Sofort Wahlen", schrieb Oppositionsführer Henrique Capriles auf Twitter. Parlamentspräsident Julio Borges sagte, ganz Venezuela lehne "Maduro und seine Diktatur ab". Laut einem Bericht der Zeitung "El Nacional" hat das Dorf, in dem Maduros Konvoi attackiert wurde, mit Versorgungsengpässen zu kämpfen. Wiederholt sei es dort zu Protesten gekommen.

In der Hauptstadt Caracas strömten im Anschluss allerdings auch Anhänger Maduros aus mehreren Armenvierteln auf die Straßen, zündeten Feuer an und errichteten Straßensperren. Bei einer solchen Aktion in Barquisimeto sollen der Jugendliche und der 36-jährige Mann erschossen worden sein.

Venezuela leidet seit Langem unter einer schweren Wirtschaftskrise. Das ölreiche Land steht vor dem Bankrott und muss immer wieder mehrere Milliarden Euro an Auslandskrediten bedienen. Deshalb können kaum noch Lebensmittel und Medikamente importiert werden.

In dieser schweren Zeit sieht sich der linke Maduro im Parlament mit einer konservativen Mehrheit konfrontiert. Darum regiert er seit mehr als einem Jahr über Notstandsdekrete. Ende März ließ er durch den regierungstreuen Obersten Gerichtshof die Nationalversammlung entmachten. Wenig später wurde die Entscheidung wieder zurückgenommen. Oppositionsführer Capriles wurde für 15 Jahre das passive Wahlrecht entzogen.

Wie schon seinem Amtsvorgänger Hugo Chavéz wird auch Maduro vorgeworfen, die Demokratie in dem Land auszuhöhlen und eine Diktatur errichten zu wollen. Die Opposition hat für kommenden Mittwoch zu landesweiten Anti-Maduro-Protesten aufgerufen. Mit einer friedlichen "Mutter aller Demonstrationen" soll der Druck auf den Präsidenten noch einmal erhöht werden.

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