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Pumas erobern Hollywood

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Baku, den 22. November (AZERTAG). Pumas sind Meister der Tarnung. Lange gab es dezimierte Bestände nur noch in abgelegenen Regionen der Rocky Mountains. In aller Stille vergrößern die Katzen derzeit ihr Verbreitungsgebiet.

Oberhalb von Beverly Hills und Hollywood transportieren Busse Touristenscharen zu einem Aussichtspunkt. Reiseleiter deuten auf die Villen der Stars. Nur Jeff Sikich, ein Biologe des Naturschutzgebiets Santa Monica Mountains, lenkt meinen Blick auf einen schmalen Waldstreifen.

Vor zehn Monaten hat sich ein junges Pumamännchen dort in den Bergen auf den Weg gemacht. Immer in dem grünen Band aus Büschen und Bäumen bleibend, drang es in das dicht besiedelte Revier des Menschen vor. Irgendwie schaffte es die scheue Großkatze, zwei der meistbefahrenen Straßen der Welt lebend zu überqueren, darunter den zehnspurigen Hollywood Freeway. Schließlich hat sie sich im Griffith Park angesiedelt. Da liegt auch die Hügelgruppe, die durch den weißen „Hollywood“-Schriftzug weltweit berühmt geworden ist.

„Das Revier eines ausgewachsenen Männchens ist ungefähr 500 Quadratkilometer groß. In den Santa Monica Mountains ist insgesamt nur Platz für zehn bis 15 Pumas“, sagt Sikich. „Weil die älteren ihre Plätze verteidigen, musste sich dieses Jungtier ein eigenes Revier suchen. Der Griffith Park ist zwar nicht einmal 18 Quadratkilometer groß, aber anscheinend findet der Bursche hier alles, was er braucht.“

In der Dämmerung oder bei Nacht - Kaum zu glauben. Eine wolfsgroße Raubkatze, die töten muss, um zu leben, stillt im Umfeld von Los Angeles ihren Nahrungsbedarf und fällt dabei weniger auf als ein kamerascheuer Promi. Indem sie sich – meist in der Dämmerung oder bei Nacht – auf leisen Pfoten bewegt und möglichst immer in Deckung bleibt.

Ehe der Mensch zunehmend das Land beanspruchte, kam der Puma in den USA von Küste zu Küste überall vor, doch Anfang des 20. Jahrhunderts gab es dezimierte Restbestände nur noch in abgelegenen Regionen der Rocky Mountains, in den pazifischen Küstengebirgen und im Südwesten.

Mittlerweile haben sie sich im Westen der USA fast überall ausgebreitet. Jetzt sickern sie ostwärts in die großen Ebenen ein. Es gibt bestätigte Berichte über Pumasichtungen in fast allen Bundesstaaten des Mittleren Westens bis hinauf nach Kanada.

Prankenabdrücke im Schnee - „Wir haben viele Hirsche in der Gegend“, sagt Gianotti, „außerdem Truthähne, Kaninchen und Waschbären. Und ständig stoße ich auf Pumafährten.“ Auf seinem Handy zeigt er mir Fotos von Prankenabdrücken im Schnee. Er nennt mir auch eine Website im Internet, auf der viele Bürger berichten, sie hätten die Großkatzen oder ihre Spuren gesehen. „Aber keine Behörde will sich damit befassen.“

Patrick Lendrum ist Biologe, er betreut eine Langzeitstudie in der Region des Grand Teton Nationalparks in Wyoming. Hier leben mehrere mit Funkhalsbändern ausgestattete Pumas.

Die Fotos und Videoaufnahmen halten – nachts mit Infrarotlicht – alle möglichen Überraschungen fest. „Hier ist jeder Tag ein bisschen wie Weihnachten“, sagt Lendrum. Sein Monitor zeigt zwei ausgewachsene Männchen, eigentlich natürliche Rivalen. Doch beide fressen abwechselnd von einem toten Wapiti, während der jeweils andere sich ein paar Meter entfernt hinlegt. „Ich weiß nicht, ob jemand so etwas schon einmal gesehen hat. Unsere Pumas tun ständig Dinge, die sich für Pumas nicht gehören.“

Plötzlich Waisen - Ein anderes Beispiel ist das Weibchen mit der Bezeichnung „F61“. Als sie und ihre Geschwister ein halbes Jahr alt waren, wurde ganz in der Nähe eine Pumamutter geschossen; ihre drei Jungen waren plötzlich Waisen. In der folgenden Woche gestattete die Mutter von „F61“, dass die Welpen etwas von einem Tier fraßen, das sie für sich und ihre eigenen Jungen gerissen hatte. Wenige Tage später spielten und fraßen die Jungen gemeinsam. Es war das erste Mal, dass bei Pumas eine Adoption bekannt wurde.

Einige Jahre später bekamen die mittlerweile erwachsene „F61“ und „F51“, ein Weibchen aus der Nachbarschaft, ungefähr zur gleichen Zeit Junge. Die beiden Familien begegneten sich häufig, teilten die Beute und gingen im Frühjahr gemeinsam auf Wanderschaft. Schließlich zog „F61“ ein Junges des anderen Weibchens wie ihr eigenes groß – der zweite Fall von Adoption. Und es gab weitere Überraschungen.

Zu Beginn dieses Jahres hatte „F61“ wieder einmal einen Maultierhirsch gerissen. Lendrums Teamleiter Mark Elbroch platzierte ferngesteuerte Kameras neben dem Kadaver.

„Bisher hieß es, dass Männchen und Weibchen sich nur zur Paarung treffen, basta“, sagt Elbroch. „Und jetzt sehe ich, wie ausgewachsene Männchen und Weibchen sich eine Beute teilen. Insgesamt haben wir an dieser Fressstelle schon sieben Katzen gesehen: ein Männchen, zwei Weibchen und vier Jungtiere.“

 

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