WISSENSCHAFT & TECHNOLOGIE


Radarsatellit auf dem Weg zur Weltvermessung

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Baku, den 4. April (AZERTAG). Der erste Satellit des neuen europäischen Erdbeobachtungsprogramms ist ins All gestartet. „Sentinel-1A“ soll die Erdoberfläche bei allen Wetterlagen ins Visier nehmen - als erster Vertreter einer ganzen Flotte. Die Daten sollen für jedermann zugänglich sein.

Für die Beobachtung der Erde aus dem All hat eine neue Ära begonnen. Vom europäischen Raumfahrtzentrum Kourou in Französisch-Guayana startete am Donnerstag kurz nach 23 Uhr MESZ der erste Satellit des europäischen Copernicus-Programms an Bord einer Sojus-Trägerrakete in den Erdorbit. Der 2,2 Tonnen schwere Satellit Sentinel-1A wird mit seinem High-Tech-Radar die Oberfläche der Erde bei allen Wetterlagen abtasten.

Die Arianespace-Gesellschaft übertrug den Start live im Internet. Das Copernicus-Projekt verfolgt das Ziel, den aktuellen Zustand des blauen Planeten kontinuierlich zu erfassen und Fernerkundungsdaten über Ozeane, Landflächen, Atmosphäre und Klimawandel zu sammeln. Diese Daten sollen dann zeitnah Behörden, Unternehmen und Bürgern zur Verfügung gestellt werden. Die Sentinel-Daten können aber auch bei Naturkatastrophen wie Überflutungen die Arbeit von Rettungskräften unterstützen, die Eismassen an den Polen erfassen oder Ölfilme auf den Ozeanen beobachten.

Für das Programm wird nach und nach eine ganze Flotte von Satelliten ins All geschossen. Hinter Copernicus, einem Gemeinschaftsprojekt von Kommission und Europäischer Weltraumagentur (Esa), verbirgt sich das größte bislang entworfene Erdbeobachtungsprogramm. Nach dem europäischen Satelliten-Navigationssystem Galileo gilt Copernicus als zweites Flaggschiff der europäischen Weltraumpolitik.

Unterstützung bei Hilfseinsätzen - Dabei werden Sentinel-1A und sein baugleicher Zwillingssatellit Sentinel-1B, der im kommenden Jahr starten soll, eine große Rolle spielen: Die beiden Sentinel-1-Satelliten werden unter anderem vulkanische Aktivitäten in ihr Radar-Visier nehmen, außerdem Erdbeben, Erdrutsche und Überschwemmungen. Zudem werden sie das Meer beobachten, um Behinderungen durch Meereis oder Ölverschmutzungen frühzeitig zu erkennen und damit die Schifffahrt sicherer zu machen.

Die Daten der Satelliten dürften sich bei Katastropheneinsätzen als ausgesprochen hilfreich erweisen. Denn wenn bei humanitären Hilfseinsätzen Informationen in kurzer Zeit benötigt werden, können die innerhalb von 60 Minuten verfügbaren Sentinel-1-Bilddaten wichtige Aufschlüsse über die aktuelle Lage und Entwicklung geben. Auch trüben weder Tageszeit noch Wetter den Radar-Blick der Satelliten - bei Wolken und Regen kann das moderne Radarinstrument an Bord der Satelliten ebenso Aufnahmen der Erdoberfläche fertigen wie in der Dunkelheit.

Wenn beide Sentinel-1-Satelliten im Erdorbit sind, werden sie innerhalb von sechs Tagen einmal die komplette Oberfläche des Planeten erfassen. Ihre Daten schicken sie zur schnellen Verarbeitung an Bodenstationen rund um den Globus. In den Folgejahren starten dann weitere Sentinel-Satelliten, die unser Wissen über die Umwelt und drohende Umweltprobleme vertiefen sollen: Die Sentinel-Missionen 2 bis 4 werden künftig unter anderem hochauflösende Kameraaufnahmen der Erdoberfläche sowie Messungen der Temperatur und Farbe der globalen Meeresoberflächen liefern.

 

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