WISSENSCHAFT & TECHNOLOGIE


Rekonstruierte Tiere krabbelten vor 410 Millionen Jahren zahlreich über die Erde

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Baku, den 11. Juli (AZERTAG). Vor 400 Millionen Jahren krabbelten nur Wirbellose über die Erde. Wie sie sich damals bewegt haben, können Wissenschaftler nun mit Computeranimationen nachvollziehen. Für Phobiker ist das nichts.

Spinnenphobiker sollten das Video, das Forscher der University of Manchester und der Naturkundemuseen in Berlin und London nun veröffentlicht haben, besser nicht ansehen. Denn hier krabbelt ein früher Verwandter der heute lebenden Spinnen sehr lebensnah durch die Gegend. Im „Journal of Paleontology“ berichten die Wissenschaftler von ihrer Rekonstruktion.

Die rekonstruierten Tiere krabbelten vor 410 Millionen Jahren zahlreich über die Erde, starben dann aber irgendwann aus. Nur anhand von Fossilien wussten Paläontologen bislang, dass sie überhaupt existiert haben. Wie sie sich aber bewegt und wie sie gelebt haben, können sie nur vermuten. Nun hat ein Team um Russell Garwood verschiedene Dünnschliffe von Fossilien benutzt, um die genaue Anatomie des Arachniden zu bestimmen. Die Versteinerungen waren zum Teil so gut erhalten, dass auch die Gelenke der Krabbelviecher zu erkennen waren. Zudem hatten Forscher die Bewegung heute lebender Spinnen benutzt, um ein möglichst lebensnahes Modell der frühen Spinnentiere zu erstellen.

„Diese frühen Spinnen lebten bereits an Land, als unsere Vorfahren noch nicht daran dachten, das Meer zu verlassen“, schreibt Garwood von der University of Manchester. „Damals standen sie an der Spitze der Nahrungskette.“ Die Spinnenvorfahren waren damals sozusagen der Schrecken für andere frühe, wirbellose Landbewohner.

„Heute sind sie ausgerottet, aber vor 300 bis 400 Millionen Jahren waren sie auf der Erde weiter verbreitet als die heutigen Spinnen“, so Garwood. „Heute können wir Werkzeuge wie Computergrafiken benutzen, um besser zu verstehen, wie sie sich bewegt haben. Das ist nur möglich, weil wir Versteinerungen gefunden haben, in denen man die Gelenke ihrer Beine erkennen kann.“

Keine technische Zauberei mehr notwendig - Jason Dunlop vom Museum für Naturkunde in Berlin, der an der Veröffentlichung mitgearbeitet hat, ist noch immer fasziniert. „Besonders spannend ist die Tatsache, dass Wissenschaftler heutzutage selbst solche Animationen machen können ohne den technischen Aufwand und die immensen Kosten eines 'Jurassic Park'-ähnlichen Hollywood-Films. Als ich anfing, mit Fossilspinnentieren zu arbeiten, waren wir froh, eine Skizze dieser Kleinlebewesen anfertigen zu können; und jetzt laufen sie sogar auf unseren Bildschirmen!“

Die Veröffentlichung entstand im Rahmen eines Sonderbandes zu dreidimensionalen Rekonstruktionen von Fossilien. Die Wissenschaftler betonen, dass diese Animation mit der Open-source-Software „Blender“ möglich wurde. Jeder könne praktisch zu Hause ausgestorbene Spinnenarten zum Leben erwecken. Ob das allerdings auch jeder möchte, sei dahingestellt.

 

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