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Rund 31 Prozent aller Weltnaturerbestätten sind akut in Gefahr

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Baku, 19. Oktober, AZERTAC

Rund ein Drittel aller Unesco-Weltnaturerbestätten sind von Bergbau oder der Förderung fossiler Energieträger bedroht. Davor warnt die Naturschutzorganisation WWF. Sie untersuchte mit Partnern in einer Studie die wirtschaftlichen Aktivitäten in und um die weltweit insgesamt 229 Weltnaturerbestätten, zu der so ikonische Landschaften oder Meeresgebiete wie der Grand Canyon, das Great Barrier Reef, das Okavango-Delta oder das Selous-Reservat in Tansania zählen.

Rund 31 Prozent davon seien akut in Gefahr, da dort entweder bereits Bergbauaktivitäten sowie Öl- und Gasförderung stattfinden oder aber entsprechende Konzessionen vergeben wurden. Jetzt drängen die Naturschützer die beteiligten Unternehmen, auf ihre Aktivitäten in und um Weltnaturerben grundsätzlich zu verzichten.

Die Weltnaturerbestätten erhalten diesen Titel wegen ihres „herausragenden universellen Wertes“ auf Vorschlag der Staaten, in denen sie liegen. Er beruht auf der von 191 Staaten und Gebieten ratifizierten Welterbekonvention der UNESCO von 1972. Alle Stätten zusammen umfassen weniger als ein Prozent der Erdoberfläche, sind aber Lebensraum für viele der seltensten Tierarten wie Berggorillas, Schneeleoparden oder Meeresschildkröten. Die extraktiven Industrien schädigen durch ihre riesigen Minen und Förderanlagen nicht nur die Umwelt und die Landschaften, sondern auch Grundwasservorräte, Quellen und Gewässer.

Weiter verlieren betroffene Weltnaturerbestätten an biologischer Vielfalt, Ökosysteme verschwinden oder werden fragmentiert, eingewanderte Arten machen sich darin breit. Oft verschmutzen die Minenbetreiben und Ölfirmen ganze Gebiete mit giftigen Substanzen. Zudem verursachen ihre Aktivitäten tiefgreifende soziale und ökonomische Veränderungen, insbesondere in den Entwicklungsländern. „Dies sollte bei den Institutionen, die den extraktiven Sektor finanzieren, die Alarmglocken läuten lassen“, schreiben die Studienautoren. „Sie müssen die potenziellen Risiken ihrer Investitionen verstehen.“

Besonders dramatisch ist laut der Studie die Situation in Afrika, wo mehr als 60 Prozent aller Welterbestätten gefährdet sind. In Lateinamerika und Asien liege der Anteil mit 31 und 34 Prozent in etwa im globalen Durchschnitt.

Als Beispiel nennt die Studie das tansanische Selous-Reservat, das seit 1982 zum Weltnaturerbe zählt. Es ist größer als Dänemark und gilt als einer der wenigen Überreste einer natürlichen und weitgehend ungestörten Wildnis. Im Jahr 2009 änderte die Regierung des Landes jedoch die Bergbaugesetze mit der Folge, dass es für Minenbetriebe Konzessionen auch in Naturreservaten gab.

Daraufhin begann in dem afrikanischen Staat ein wahrer Bergbau-Boom. Die WWF-Untersuchung ergab, dass im Selous-Reservat fünf Minen in Betrieb sind, die mineralische Rohstoffe gewinnen. Sie gehören 23 Eignern. Überdies wurden Konzessionen für sechs Öl- und Erdgas-Förderprojekte vergeben. In der Summe gefährden diese Betriebe das Reservat.

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