GESELLSCHAFT


Schlafmangel ist längst eine Epidemie

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Baku, den 28. Juli (AZERTAG). Schlafmangel ist schlecht für das Gedächtnis, schwächt die Konzentration und kann Herz und Kreislauf schädigen. Warum, noch mal, gehe ich nicht früher zu Bett? Forscher haben eine Idee.

Es ist noch zu warm drinnen. Es ist noch zu schön draußen. Es sind noch zu viele Menschen unterwegs in der Stadt. Es ist fast Mitternacht, aber es gibt keinen Grund, schon ins Bett zu gehen. Falls es doch einen Grund gibt, dann habe ich ihn vergessen. Weil der Schlafmangel, den ich mir nach einem Dutzend dieser hinreißend schönen Sommernächte eingehandelt habe, mein Gedächtnis angegriffen hat.

Schlafmangel ist längst eine Epidemie, schreibt Kimberly Fenn, eine Psychologin der Michigan State University: „Die Menschen schlafen weniger als je zuvor.“ Fenn gehört zu den Forschern, die sich mit den Folgen dieser Epidemie beschäftigen. Gerade hat sie untersucht, wie sich zu kurze Nächte auf das Erinnerungsvermögen auswirken.

Sie bat müde und ausgeschlafene Studenten, sich Fotos eines vermeintlichen Überfalls anzusehen, und gab ihnen später einen Text über die Situation zu lesen, der teilweise nicht zu den Bildern passte. Als sie Fragen zu den Bildern stellte, waren die müden Teilnehmer auf mehr „falsche Erinnerungen“ hereingefallen. Übermüdete Studenten behaupteten auch viel häufiger, Videos von einem Flugzeugabsturz gesehen zu haben – aber diese Videos gab es gar nicht. „Menschen, die dauerhaft zu wenig schlafen, könnten unter verzerrten Erinnerungen leiden“, sagt Kimberly Fenn.

Sieben bis neun Stunden Schlaf sind gesund. Für den Kopf, der sich nicht nur besser erinnern, sondern auch besser konzentrieren kann, aber auch für Herz und Kreislauf. Studie um Studie kommt zu diesem Ergebnis.

Ich sorge mich um meine Gesundheit. Und trotzdem gehe ich sehr oft zu spät ins Bett. Nicht nur in hinreißend schönen Sommernächten. Wenn es regnet, ist da noch eine Serienfolge, die ich schauen möchte, ein ungelesenes Buch, die Timeline bei Twitter, in die ich dringend noch einen Blick werfen muss.

Klarer Fall: Ich leide unter „Schlaf-Prokrastination“. Psychologen der Universität Utrecht in Holland haben kürzlich diesen Begriff vorgeschlagen. Viele Menschen schlafen zu wenig, weil sie das Schlafengehen aufschieben, wie eine unangenehme Aufgabe, vermuten sie. Von 203 freiwilligen Teilnehmern einer Studie der Holländer schlief jeder Dritte höchstens sechs Stunden pro Nacht. 84 Prozent der Teilnehmer fühlten sich mindestens an einem Tag in der Woche übermüdet. Die meisten von ihnen wurden nicht durch äußere Umstände davon abgehalten, mehr zu schlafen. Sie bekamen es einfach nicht hin.

Am Ende des Tages, schrieben die Forscher, sinkt die mentale Energie, Menschen können sich schlechter selbst kontrollieren. Das Problem sei mit Willenskraft deswegen kaum zu lösen, andere Strategien müssten her, am besten solche, für die man abends nicht mehr viel nachdenken muss. 

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