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Seltener Vogel-Sapayoa aenigma

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Baku, 28. April, AZERTAC

Der Breitschnabelpipra ist ein Rätsel. In ganz Amerika hat er keine nahen Verwandten. Jetzt haben Forscher den seltenen Vogel in Panama aufgespürt - und erstaunliche Ähnlichkeiten zu Exemplaren in Asien entdeckt.

Alle näheren Verwandten des Breitschnabelpipra leben in der Alten Welt, sie finden sich von Afrika bis Asien. Er allein siedelt auf dem amerikanischen Kontinent. Nun haben Forscher in Panama die Brutpflege des Vogels beobachtet und klare Parallelen zwischen ihm und seinen Vettern gefunden.

Der Breitschnabelpipra (Sapayoa aenigma) bewohnt Urwälder zwischen dem Osten Panamas und Ecuador. Bereits seit Jahrzehnten diskutieren Forscher über die Zuordnung des kleinen olivgrünen Vogels.

Sein Aussehen, so meinten manche, deute auf eine Verwandtschaft mit Gruppen in Asien und Afrika hin. Letztlich ergaben genetische Analysen, dass er als einziger Vertreter der Eurylaimiden, der sogenannten Schreivögel der Alten Welt, die Neue Welt bewohnt.

Über das Verhalten des Vogels war bislang kaum etwas bekannt. Das Team um Sarah Dzielski und Benjamin Van Doren von der Cornell University in Ithaca (US-Staat New York) spürte nun im Nationalpark Darién im Osten Panamas Nester auf.

Die Geschwister helfen mit - Elf Tage beobachteten sie eines davon - ein birnenförmigen Gebilde, das in einer engen Schlucht knapp drei Meter über einem Fluss hing. Das Erstaunliche: Die beiden Küken wurden nach dem Schlüpfen gleich von mehreren Tieren mit Nahrung versorgt. Neben dem Männchen und dem Weibchen auch von zwei männlichen Jungtieren, vermutlich ebenfalls Nachkommen des Brutpaars.

"Wir beobachteten unkonventionelles Paarungsverhalten, etwa das Besteigen zwischen Individuen gleichen Geschlechts oder das Besteigen des Weibchens durch mehr als ein Männchen", berichtet das Team zudem im Fachblatt "The Auk: Ornithological Advances". Dies diene möglicherweise dazu, den sozialen Zusammenhalt zu stärken, spekulieren die Autoren.

Nesthelfer seien auch von den vermutlich nächsten Verwandten des Sapayoa bekannt, dem Papageienbreitrachen (Psarisomus dalhousiae) und dem Würgebreitrachen (Serilophus lunatus). Beide leben in Asien. Damit deuteten nicht nur Erbgut und Aussehen, sondern auch das Verhalten auf eine enge Verwandtschaft des Breitschnabelpipras mit Bewohnern der Alten Welt hin.

"Der Sapayoa ist seit langem ein geheimnisvoller Vogel", sagt Jon Fjeldså von der Universität Kopenhagen, der an der Studie nicht beteiligt war. "Als meine Kollegen und ich ihn 2003 als einzigen Vertreter der Eurylaimiden in der Neuen Welt identifizierten, machte ihn das nur noch geheimnisvoller. Wie ist er nach Südamerika gekommen? Und verhält er sich immer noch wie ein Eurylaimide aus der Alten Welt? Ich bin begeistert darüber, dass das der Fall ist."

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