GESELLSCHAFT


Smartphone tut der Wirbelsäule nicht gut

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Baku, 20. November, AZERTAG

Das Smartphone wurde nicht für den aufrechten Gang erfunden. Im Gegenteil: Es tut der Wirbelsäule nicht gut. Ein US-Mediziner hat nun untersucht, wie sich das ständige Starren aufs Display auf den Nacken auswirkt – und auf die Glücksgefühle. Es gibt dieses berühmte Bild von der Evolution des Menschen – ganz links der Affe, der noch auf allen Vieren läuft, dessen Arme sich dann vom Boden heben, die Brust strebt langsam nach oben, der Rücken wird gerade. Am Ende sieht man den Homo sapiens im aufrechten Gang.

Sieht man sich Menschen heute etwas genauer an, scheinen sie sie sich aber wieder zurück zu entwickeln. Ihr Blick geht nach unten, das Kinn sinkt zur Brust, die Schultern sacken nach vorne, die Wirbelsäule krümmt sich. In eingerollter Haltung starren sie auf ihre Smartphones: Man könnte sie auch als „Generation Kopf unten“ bezeichnen.

Der New Yorker Mediziner Kenneth K. Hansraj, Spezialist für die Wirbelsäule, hat in einer aktuellen Studie untersucht, welche Kräfte auf den Nacken wirken, wenn Menschen sich über ihre kleinen Bildschirme beugen. In neutraler Position, berichtet er, lastet der Kopf mit einem durchschnittlichen Gewicht von etwa sechs Kilogramm auf der Halswirbelsäule.

Neigt sich der Kopf aber nach vorne, nimmt das Gewicht, das der Nacken aushalten muss, mehr und mehr zu. Schon wer sich nur leicht nach vorne beugt, um 15 Grad, belastet seine Wirbelsäule mit doppelt soviel Gewicht wie in neutraler Position, nämlich mit mehr als 13 Kilogramm. Bei 30 Grad Neigungswinkel sind es etwa 20 Kilogramm, bei 45 Grad um die 25 Kilogramm.

Wer Menschen in der Bahn beobachtet sieht, dass die meisten ihren Kopf weitaus tiefer nach vorne sacken lassen, wenn sie auf ihrem Smartphone lesen. Risse, Verschleiß und Verkümmerung seien die Folgen, berichtet Kenneth K. Hansraj in der Fachzeitschrift Surgical Technology International.

Die optimale Haltung für die Wirbelsäule, sagt der Mediziner, sieht folgendermaßen aus: Die Schulterblätter sind zurückgezogen, die Ohren befinden sich auf einer Linie mit den Schultern. Das nehme nicht nur Druck von der Wirbelsäule, der ganze Körper profitiere davon: Er ist weniger gestresst.

So maßen Wissenschaftler bei Probanden, die ihren Kopf hauptsächlich gerade hielten, geringere Cortisonspiegel als bei Menschen in gekrümmter Haltung. Außerdem fanden sie bei den Aufrechten höhere Werte an Serotonin, ein Botenstoff, der glücklich und zufrieden macht. Na dann: Kopf hoch!

Smartphone-Nutzer erkennt man an ihrem nach unten gesenkten Blick. Vermeiden lassen sich Nacken- und Rückenbeschwerden wenn die eine oder andere E-Mail erst später gelesen wird, unter besseren Bedingungen. „Jeder sollte für sich überlegen, ob man für längere Geschichten nicht lieber den PC nutzt“, erklären deutsche Betriebs- und Werksärzte. Muss es unbedingt das Handy sein, sollte der Nutzer das Gerät in verschiedenen Positionen und auch mal hoch vor das Gesicht halten. Dadurch bleibt der Hals möglichst aufrecht.

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