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Taliban in Afghanistan: Helmand steht vor dem Fall

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Baku, 21. Dezember, AZERTAC

Die südafghanische Provinz Helmand steht offenbar kurz vor dem Fall an die radikalislamischen Taliban. Mohammed Dschan Rasuljar wandte sich am Sonntag per Facebook an Präsident Aschraf Ghani. "Ich kann nicht länger schweigen", schrieb der hohe Provinzbeamte. "Helmand steht kurz vor dem Fall. 90 Männer sind bei Kämpfen mit den Taliban in den vergangenen zwei Tagen getötet worden."

Rasuljars Warnung wirft ein Schlaglicht auf die dramatische Sicherheitslage in Teilen Afghanistans ein Jahr nach dem Ende des internationalen Kampfeinsatzes. Und sie erinnert an die Eroberung der nördlichen Stadt Kundus im September - die von den Taliban überrannt worden war. Die Regierungskräfte konnten die Stadt damals allerdings nach wenigen Tagen wieder unter ihre Kontrolle bringen.

In seinem Facebook-Eintrag forderte der Vizeprovinzgouverneur sofortige Verstärkung aus der Hauptstadt Kabul. Ihm sei es nicht gelungen, den Präsidenten über andere Kanäle zu erreichen, beklagte Rasuljar. Er warf Ghani vor, die bedrohliche Lage in Helmand herunterzuspielen. Örtliche Behördenvertreter bestätigten seine Angaben, wonach die Taliban auf dem Vormarsch seien.

Helmand ist eine der größten Provinzen des Landes. In die Kämpfe dort sollen laut Medienberichten auch amerikanische und britische Spezialkräfte involviert sein. Experten zufolge konzentrieren sich die Taliban auf die Eroberung der Provinz, um den Drogenhandel zu kontrollieren. Helmand ist das Zentrum der Opiumproduktion.

Die Bundeswehr wird ihren Einsatz in Afghanistan mit verstärkter Truppenzahl fortsetzen. Der Bundestag hatte am Donnerstag mit Vier-Fünftel-Mehrheit für ein neues Einsatzmandat gestimmt, das die Obergrenze für die Beteiligung deutscher Soldaten von 850 auf 980 Soldaten erhöht.

Ursprünglich sollten sich die internationalen Truppen im Laufe des kommenden Jahres ganz aus Afghanistan zurückziehen. Wegen der verschlechterten Sicherheitslage hatte die Nato dann kürzlich beschlossen, 2016 in praktisch unveränderter Stärke von etwa 12.000 Soldaten in ganz Afghanistan zu bleiben.

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