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Transatlantischer Sklavenhandel

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Baku den 10. März, AZERTAC

Es war ein Menschenraub beispiellosen Ausmaßes. Von 1500 bis 1850 wurden mehr als zwölf Millionen Menschen aus Afrika nach Amerika verschleppt und versklavt. Die meisten wurden von Häfen im Westen Afrikas verschifft, doch über ihre ursprüngliche Heimat ist kaum etwas bekannt.

Eine Datenbank zum transatlantischen Sklavenhandel listet zwar Informationen zu fast 35.000 solchen Schifffahrten über den Atlantik auf. Für die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts enthält sie aber nur eine einzige Ankunft auf der Insel Saint Martin - ohne Einzelheiten zum afrikanischen Ausgangshafen oder zur Herkunft der versklavten Menschen zu nennen.

Jetzt haben Forscher nach eigenen Angaben erstmals per Erbgut-Analyse ermittelt, woher genau afrikanische Sklaven kamen. Die Daten zeigen, dass drei Menschen, die im 17. Jahrhundert zusammen auf der Karibikinsel Saint Martin bestattet wurden, von verschiedenen Gruppen abstammen, die heute auf dem Gebiet von Kamerun, Nigeria und Ghana leben. Das Verfahren biete das Potenzial, die Herkunft von Sklaven relativ detailliert zu klären, erklärt das internationale Forscherteam im Fachblatt „Proceedings of the National Academy of Sciences“.

DNA aus Zahnwurzeln entnommen - Die Wissenschaftler um Hannes Schroeder vom Naturhistorischen Museum der Universität Kopenhagen und Thomas Gilbert von der Universität Leiden hatten die Überreste dreier Sklaven untersucht, die zwischen 1660 und 1688 auf dem niederländischen Teil Saint Martins beigesetzt wurden. Die zwei Männer und eine Frau starben im Alter von 25 bis 40 Jahren, ihre Überreste wurden 2010 im Rahmen von Bauarbeiten in Philipsburg geborgen.

Die Forscher extrahierten DNA aus Zahnwurzeln und glichen Details der extrem schlecht erhaltenen Erbsubstanz mit Datenbanken zu elf afrikanischen Bevölkerungsgruppen ab. Demnach stammte einer der Männer von Bantu sprechenden Gruppen ab, die heute im Norden von Kamerun leben. Bantu-Sprachen sind bei Hunderten Ethnien im mittleren und südlichen Afrika verbreitet. Der andere Mann und die Frau kommen dagegen aus nicht Bantu sprechenden Gruppen, die zurzeit in Nigeria und Ghana leben.

Möglicherweise hätten diese Gruppen damals andere Gegenden Afrikas besiedelt, räumen die Wissenschaftler ein. „Dennoch deuten die Daten darauf hin, dass die Afrikaner, die Saint Martin erreichten, aus verschiedenen Kulturen und Gesellschaften stammten“, schreiben sie. Mit dem Verfahren könne man künftig unter anderem gezielt untersuchen, in welchem Maße Afrikaner ihre ursprüngliche Kultur bewahrten - etwa indem man die Gebräuche in verschiedenen Regionen Amerikas mit der Herkunft der dortigen Sklaven vergleicht.

Der Sklavenhandel wurde in Europa zunächst von Dänemark und Großbritannien im frühen 19. Jahrhundert verboten. In den USA wurde die Sklaverei erst 1865 in allen Bundesstaaten offiziell untersagt. Vor einigen Jahren bezeichneten die Vereinten Nationen den Sklavenhandel als eines der „größten Verbrechen in der Geschichte“. Angesichts der historischen Ausmaße sei es eine „schreckliche Ironie“, dass so wenig darüber bekannt sei, sagte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon damals.

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