WELT


UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien: Rund 20 Millionen Menschen droht Hungertod

Baku, 11. März, AZERTAC

In einem dramatischen Appell hat UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien den Weltsicherheitsrat zu Hilfe für Millionen hungernder Menschen aufgerufen. Nach seinen Worten droht rund 20 Millionen Menschen in vier Ländern der Hungertod, sollte sich die internationale Gemeinschaft nicht zu einer größeren Hilfsaktion entschließen.

O'Brien hatte kurz zuvor die Krisengebiete im Jemen, im Südsudan und in Somalia sowie in Nigeria besucht und sich ein Bild von der Lage gemacht. „Menschen werden schlicht und einfach den Hungertod sterben“, sagte er am Freitag den im Sicherheitsrat vertretenen Diplomaten.

Für den Nothilfekoordinator ist ein „kritischer Punkt in der Geschichte der Vereinten Nationen“ erreicht, wie aus einer UN-Mitteilung hervorgeht. Die Vereinten Nationen seien mit der größten humanitären Katastrophe seit ihrer Gründung konfrontiert.

„Die Lage für die Menschen in diesen Ländern ist schrecklich und ohne eine große internationale Reaktion wird sie noch schlimmer“, sagte der Brite. „Alle vier Länder haben eine Sache gemeinsam - den Konflikt. Das bedeutet, dass wir (die UN) die Möglichkeit haben, weiteres Elend und Leiden zu verhindern.“ Rasche Hilfe und auch finanzielle Hilfe seien nötig, da noch die Gelegenheit bestehe, das Schlimmste zu verhindern.

Anfang der Woche hatte UN-Generalsekretär António Guterres bei einem Besuch in Somalia Hilfsgelder in Höhe von 825 Millionen Dollar (773 Millionen Euro) erbeten. Es gebe dringenden Handlungsbedarf, sagte Guterres, „Menschen sterben“. Die Welt müsse jetzt handeln.

Allein in Somalia sind nach UN-Angaben mehr als sechs Millionen Menschen - etwa die Hälfte der Bevölkerung - in Folge einer schweren Dürre auf humanitäre Hilfe angewiesen. Mangels sauberen Trinkwassers ist die Cholera ausgebrochen, mehr als 7700 Fälle wurden den UN zufolge in den vergangenen zwei Monaten dokumentiert.

Auch im Bürgerkriegsland Jemen sind nach UN-Angaben rund sieben Millionen Menschen akut unterernährt oder wissen nicht, wie sie an ihre nächste Mahlzeit kommen sollen. Die humanitäre Lage ist katastrophal, Millionen Menschen hungern und sind von der medizinischen Versorgung abgeschnitten.

Im Südsudan ist die Lage nach einem Bericht des UN-Büros für Humanitäre Hilfe (UNOCHA) ebenfalls prekär. Mindestens eine Million Menschen stünden an der Schwelle zur Hungersnot, mindestens 5,5 Millionen Menschen sind laut UN auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Die Helfer benötigten 1,6 Milliarden US-Dollar für die Versorgung der Menschen. Bislang seien erst knapp zehn Prozent davon finanziert.

© Jede Verwendung von Materialien muss durch den Hyperlink kenntlich gemacht werden
Wenn Sie einen Fehler im Text haben, markieren Sie ihn, drücken Sie auf Taste ctrl + enter und senden ihn uns

KONTAKT MIT DEM AUTOR

Füllen Sie die erforderlichen Stellen mit Zeichen* aus

Bitte geben Sie die Buchstaben wie oben gezeigt ein.
Egal, ob die Buchstaben groß oder klein sind