WELT


Unicef-Regionaldirektorin an Boko Haram appelliert

Baku, 12. April, AZERTAC

30 Kinder schickte die Terrorgruppe Boko Haram im vergangenen Jahr als Selbstmordattentäter in den Tod. Sie zwangen sie dazu, sich auf Märkten oder anderen öffentlichen Plätzen in die Luft zu sprengen. Und die Zahl dieser Anschläge nimmt deutlich zu: Einem Unicef-Bericht zufolge wurden allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres 27 Mädchen und Jungen für Selbstmordattacken missbraucht.

"Das ist der schlimmstmögliche Einsatz von Kindern in einem Konflikt", sagte Marie-Pierre Poirier, Unicef-Regionaldirektorin für West- und Zentralafrika. Sie appellierte an Boko Haram und das Militär, Maßnahmen zu ergreifen, um den Schutz der Kinder zu gewährleisten.

Seit 2014 wurden demnach insgesamt 117 Kinder in Nigeria, Tschad, Niger und Kamerun dazu gebracht, sich auf öffentlichen Plätzen in die Luft zu sprengen. Meist sind es Mädchen, die die Terrorgruppe missbraucht. Das habe zu Misstrauen und tiefer Verunsicherung in der Bevölkerung beigetragen. "Diese Kinder sind in erster Linie Opfer und keine Täter", sagte Poirier. "Sie durch Zwang oder Täuschung zu solch grausamen Taten zu bringen ist abscheulich."

Kinder werden verdächtigt und festgehalten - Boko Haram kämpft seit 2009 für einen islamischen Gottesstaat und soll seitdem mehr als 14 .000 Menschen getötet haben. Seit Nigerias Militär mit Hilfe der Nachbarländer verstärkt gegen die Hochburgen von Boko Haram vorgeht, hat die Gruppe ihre Taktik geändert und setzt deutlich mehr Selbstmordattentäter ein. Allerdings bekennt sich die Terrorgruppe so gut wie nie zu den Anschlägen.

Unicef zitierte in dem Bericht unter anderem das Schicksal von Amina, die auf einer Insel im Tschadsee lebt und mit 16 Jahren einen Selbstmordanschlag für Boko Haram auf einem Marktplatz verüben sollte und dabei beide Beine verlor. Diese Kinder "sind Opfer, keine Täter", sagte Poirier.

Im April 2014 hatten die Extremisten von Boko Haram international für Empörung gesorgt, als sie mehr als 276 Schulmädchen aus Chibok im Nordosten Nigerias entführten. Viele der Kinder werden noch immer vermisst. Experten halten es für möglich, dass auch einige von ihnen zu Selbstmordanschlägen gezwungen wurden.

In dem Bericht kritisiert Unicef auch die hohe Zahl von Kindern, die wegen ihrer mutmaßlichen Verbindung zu bewaffneten Gruppen an Militärkontrollposten festgehalten und für längere Zeit in Gewahrsam genommen würden. 2016 seien fast 1500 Minderjährige in den vier Ländern der Krisenregion zeitweise eingesperrt gewesen, knapp 600 warteten noch auf ihre Freilassung.

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