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Viele Tiere, insbesondere Schmetterlinge verlassen wegen der Klimaerwärmung Gebiete

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Baku, 13. Oktober (AZERTAG). Die Menschen diskutieren noch, wie sie die globale Erwärmung stoppen können, doch die Tiere sind längst auf Wanderschaft. Dabei verlassen die Klimaflüchtlinge auch die für sie eingerichteten Schutzgebiete.

Viele Tiere verlassen wegen der Klimaerwärmung Gebiete, in denen sie bisher zu Hause waren. Da es ihnen dort zu warm wird, wandern sie nach Norden oder in höhere Gebirgslagen ab. Schmetterlinge verlassen dadurch aber auch Regionen, die extra für ihren Schutz eingerichtet wurden, berichten die Forscher der Universität Wien im Fachmagazin Plos One.

Sie hatten Schmetterlinge im griechischen Dadia National Park untersucht. Das Schutzgebiet liegt in den Rohodopen im Nordosten des Landes. Die Forscher verglichen die Anzahl der verschiedenen Arten, die 1998 und im Jahr 2011/2012 an exakt denselben geografischen Punkten erhoben wurden. „Wir konnten beweisen, dass Schmetterlinge relativ rasch auf Klimaveränderungen reagieren.

Demnach stieg in den vergangenen 13 Jahren die Jahresdurchschnittstemperatur im Untersuchungsgebiet um 0,95 Grad Celsius. In der Folge fanden sich in den griechischen Rhodopen eindeutig mehr wärmeliebende Arten aus dem Flachland. „Arten, die hauptsächlich in höheren Lagen verbreitet sind und kühlere Habitate bevorzugen, sind seltener geworden", erklärten die Forscher. Einige Augenfalter, wie der Große Waldportier (Hipparchia fagi) und das Schattensandauge (Kirinia roxelana) waren doppelt so häufig zu finden wie im Jahr 1998, aber auch das Ochsenauge (Maniola jurtina) konnte im letzten Jahrzehnt wesentlich häufiger gezählt werden.

Schmetterlinge reagieren sensibler auf Klimaveränderungen als Wirbeltiere, wie zum Beispiel Vögel. Sie haben vergleichsweise kurze Generationszeiten und sind darauf spezialisiert bestimmte Raupen zu fressen. Ihre Körpertemperatur ist außerdem von der Umgebungstemperatur abhängig. Säugetiere hingegen regulieren durch ihren Blutkreislauf die Körpertemperatur und sind von der Außentemperatur unabhängiger.

Sollten sich für andere Tiergruppen und in anderen Schutzgebieten ähnliche Trends zeigen, müsste der Artenschutz in Nationalparks neu überdacht werden, berichten die Forscher. Schutzgebiete mit feststehenden Grenzen verlieren ihre ursprüngliche Bedeutung, wenn die Arten, für die sie errichtet werden, sie verlassen. Nationalparks könnten aber auch neue Bedeutungen gewinnen, zum Beispiel wenn neue Arten einwandern.

Viele europäische Schmetterlinge können mit dem Klimawandel nicht mithalten. Eine europäische Studie ergab, dass sie langsamer nach Norden wandern als es für ihre klimatischen Bedürfnisse nötig wäre. Demnach liegen sie im Durchschnitt 135 Kilometer gegenüber der Verschiebung ihres Lebensraums zurück. Die Verzögerung könnte verschiedenste Lebensgemeinschaften auseinanderreißen, berichten die Forscher. Zum Beispiel sind viele Vogelarten bei der Ernährung auf Raupen bestimmter Schmetterlingsarten angewiesen und könnten daher unter den Veränderungen leiden. Je spezialisierter eine Art ist, umso gefährdeter ist sie durch solche Verschiebungen. Die Raupen des Natterwurz-Perlmutterfalter (Boloria titania) sind beispielsweise auf den Wiesenknöterich (Polygonum bisorta) als Fraßpflanze angewiesen. Auch wenn es die Schmetterlingsart schaffen würde, mit den Temperaturen mitzuziehen - die Pflanze, von der sie abhängig ist, ist bei weitem nicht so mobil.

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