WISSENSCHAFT & TECHNOLOGIE


Warum immer wieder eine zweite Erde entdeckt wird

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Baku, den 23. April (AZERTAG). Etwa zehn „zweite Erden“ wurden bereits entdeckt, 50 Kandidaten werden derzeit überprüft – und vermutlich gibt es in unserer Milchstraße gut 500 Millionen Planeten in einer bewohnbaren Zone.

Gewiss haben Sie im Laufe der vergangenen Jahre schon mal davon gehört, dass Wissenschaftler im Universum eine „zweite Erde“ entdeckt hätten. Damit ist offenbar gemeint, dass ein solcher Planet unserer Erde so ähnlich ist, dass auf ihm möglicherweise Leben entstanden sein könnte. Doch warum wird immer wieder von der „zweiten Erde“ gesprochen? Müsste es nicht längst mindestens eine dritte oder vierte Erde geben?

Die jahrelange Stagnation bei der Zahl Zwei belegt, dass die mögliche Ähnlichkeit ferner Exoplaneten mit der Erde noch immer im Bereich des Spekulativen liegt. Außerdem gibt es bislang keine wissenschaftliche Definition, ab wann ein Planet als erdähnlich gelten darf. Ist beispielsweise unser Nachbarplanet Mars erdähnlich? Einerseits ja, weil es viele Parallelen zur Erde gibt. Andererseits nein, denn es sind eine große Zahl deutlicher Unterschiede nicht zu leugnen.

Die Einstufung „zweite Erde“ basiert letztlich nur auf zwei Kriterien. Zum einen handelt es sich dabei um Exoplaneten, die ungefähr die Größe der Erde besitzen. Kleinere Planeten könnten mit ihrer Schwerkraft keine Atmosphäre an sich binden und deutlich größere Himmelskörper sind indes mit hoher Wahrscheinlichkeit Gasplaneten ohne eine feste Oberfläche – so wie Saturn und Jupiter in unserem Sonnensystem.

Moderate Temperaturen sind wichtig - Zum anderen befinden sich die „zweiten Erden“ in einer sogenannten bewohnbaren Zone. Damit ist gemeint, dass der Abstand zum betreffenden Stern nicht zu nah und nicht zu fern ist, sodass moderate Temperaturen auf der Planetenoberfläche herrschen könnten. Das ist gleichbedeutend mit der Aussage, dass es auf dem Planeten flüssiges Wasser geben könnte, das weder ins All verdampft oder zu ewigem Eis erstarrt ist.

In diesem Sinne wurden bislang rund zehn „zweite Erden“ entdeckt. Weitere gut 50 Kandidaten für diese Kategorie werden derzeit von den Wissenschaftlern überprüft. Auf der Grundlage von Hochrechnungen schätzen Experten, dass es in unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße, insgesamt rund 500 Millionen Planeten in einer bewohnbaren Zone gibt.

Man sollte aber nicht dem Missverständnis anheimfallen, dass ein Planet in einer bewohnbaren Zone auch tatsächlich bewohnt sein muss. Kronzeuge kann hier wieder der Mars sein. Der befindet sich formal in einer bewohnbaren Zone. Doch bislang haben Forscher noch kein Leben auf dem roten Planeten nachweisen können.

Zahl der Kandidaten wird weiter wachsen - In einer bewohnbaren Zone zu sein, ist also nur eine von vielen notwendigen Voraussetzungen für die Entstehung von Leben auf einem Planeten – keinesfalls eine hinreichende. So sagt das Etikett „bewohnbare Zone“ noch gar nichts darüber aus, ob es Wasser oder eine Atmosphäre auf einem solchen Himmelskörper gibt.

Von der jüngsten „zweiten Erde“, dem Exoplaneten Kepler-186f, weiß man dieses eben auch nicht. Er bleibt ein Kandidat. Und die Zahl der Kandidaten wird in den kommenden Jahren dramatisch wachsen. Von den bislang rund 1780 bekannten Exoplaneten wurden vor zwei Jahren 149, im vergangenen Jahr 189 und im laufenden Jahr bereits mehr als 720 entdeckt. Die Tendenz ist mithin stark steigend.

Mit künftigen Weltraumteleskopen wird sich sogar die chemische Zusammensetzung möglicher Atmosphären von Exoplaneten vermessen lassen. Das wird dann eine bessere Abgrenzung von „bewohnbar“ zu „unbewohnbar“ ermöglichen. Doch ein Beweis von Leben auf einem fernen Exoplaneten wird beim derzeitigen Stand der Technik nur möglich sein, wenn intelligente Bewohner eines Himmelskörpers aktiv mit intensiven Radiosignalen auf sich aufmerksam machen.

Den Exoplaneten Kepler-186f haben Wissenschaftler einen Monat lang im gesamten Frequenzbereich zwischen einem und zehn Gigahertz nach solchen Signalen abgehorcht. Vergeblich.

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